3 Jahre mit Krücken

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

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Speedy
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3 Jahre mit Krücken

Beitrag von Speedy »

Ich hatte meinen Unfall am 01.06.2003. Komplette Unterschenkeltrümmerfraktur. In meinem linken Knie ist außer den Menisken und der Patella alles kaputt. Bei einem Sturz vom Pferd, hatte ich mir den linken Unterschenkel auf einer Länge von 18 cm in mindestens 30 Einzelteile zerlegt. Mein Glück war dabei noch das es eine geschlossene Fraktur war und ich zudem in nur 6 km Entfernung zur Uniklinik Göttingen verunfallte.
Nach meiner 8 stündigen Op war ich um 2 L Platten, 13 Schrauben und einem gelenkübergreifenden Fixateur externe reicher. Die erste Hiobsbotschaft die ich bekam, war die, das ich mit viel Glück mein Bein vielleicht einmal bis 30 oder maximal 40 Grad beugen kann, um wenigstens einigermaßen Treppen steigen zu können. Mit der Beugung wäre noch nichteinmal ein normales Sitzen auf einem Stuhl möglich gewesen.
Der Fixateur wurde nach 7 Wochen entfernt und dann begann der Spaß mit der Bewegungsschiene! Da ich aber Gott sei Dank aus der Materie komme, ehemalige OP Schwester, hatte ich mich pfiffigerweise mit 2 Schmerzkathetern versorgen lassen, der eine am N. ischiaticus und der andere am N. oburatorius. Dank dieser ausgesprochen guten Idee meines Anästhesisten konnte ich das Bein nach nur zwei Wochen bis auf 75 Grad beugen ( die Osteosynthese hielt zum Glück ), dann ließ ich mir die Katheter wieder entfernen und habe fleißig ohne weitergeübt. Heute bin ich bei einer Beugung von 115 Grad und einer Streckung von 5 Grad. Bei der Fraktur ist das ein super Ergebnis.
Wobei ich allerdings selbst nach über 3 Jahren noch immer Probleme habe, ist beim Treppen runter gehen, beim Laufen ( ich kann nur gehen und das auch nur sehr überlegt ), bei einer längeren Belastung als 2 Stunden und ich kann mich natürlich auf gar keinen Fall hinknieen, sitzen ist natürlich auch nicht so unbedingt der Brüller, weil das Bein natürlich immer noch fröhlich vollläuft, je nach Wetterlage mal mehr mal weniger.
Ich will aber trotzdem nicht meckern, weil ich mir sicher bin, das ich ohne meinen tollen Operateur und den superguten Anästhesisten nie so weit gekommen wäre.
Trotz aller dieser Beschwerden, brauche ich relativ wenig Schmerzmittel. Ich mache ganz viel mit Akupunktur und auch mit Lasertherapie.
Und nicht das jetzt nicht irgendjemand denkt ich bin deswegen ein miesepetriger Mensch geworden, ich lache noch immer viel und laut, habe mittlerweile auch wieder angefangen zu reiten ( trotz der großen Angst, die ich anfangs hatte ) und versuche mich auch immer so viel wie möglich zu bewegen.
Meine Narben, die ich übrigens auf beiden Seiten des Unterschenkels habe und die auch ordentlich lang sind sehen übrigens super aus und machen mir gar keine Probleme.
Ich bin mir jetzt natürlich nicht sicher, ob ich mit diese Geschichte irgendjemandem weiterhelfen kann, aber ein Versuch ist es wert.
Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.
Gruß Speedy

Elke
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Beitrag von Elke »

Hallo Speedy,

meine Güte, das hört sich ja echt krass an.
Musst du denn immer mit Krücken laufen oder 'nur' wenn die Belastung zu groß wird?

Mein Unfall war im April und ich bin jetzt seit gut zwei Monaten krückenfrei.
Ich habe sie von einem Tag auf den anderen weglassen können und bin damit ganz gut zurecht gekommen.
Das Treppenruntergehen macht mir auch ziemlich zu schaffen, an Laufen (im Sinne von Joggen) ist noch überhaupt nicht zu denken.
Ich hoffe, dass das mit dem nötigen Training wieder kommen wird.

Ich finde es bewundernswert, wie gut du mit deiner Verletzung umgehst und dass du auch wieder reitest.
Ich hatte einen Skiunfall, hoffe aber auch wieder Skifahren zu können.
Die nächste Saison fällt auf jeden Fall aus, da haben mir bisher alle Ärzte und Physiotherapeuten abgeraten. Vielleicht mache ich statt dessen Schneeschuhwandern, um trotzdem in die Berge und den Schnee zu kommen. :D

Halt weiterhin die Ohren steif!
Liebe Grüße
Elke

Speedy
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Beitrag von Speedy »

Hallo Elke, ne, jetzt muß ich nicht mehr mit Krücken laufen, ich nehme halt nur eine wenn die Belastung zu groß ist. Allzu weit weg ist mein ständiger Begleiter, den meine Freunde und ich übrigens auf den Namen Jonny tauften, allerdings nicht. Es wäre schon saublöd, wenn ich irgendwo wäre und nicht mehr weiterkäme und Jonny wäre bei mir zu Hause. Ich habe es durchaus schon geschafft, Jonny beim Spazierengehen unterm Arm mitzunehmen, sehr zur Erheiterung der anderen Spaziergänger. Was tut man nicht alles um im Gespräch zu bleiben. :D
Der Ehrlichkeit halber muß ich allerdings sagen, das ich mich nur deshalb traue Jonny im Auto zu lassen, weil ich mittlerweile eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin und Akupunkteurin gemacht habe und es bestimmt eher saublöd aussieht wenn man bei den Kunden mit Krücke auftaucht. Die würden sonst womöglich denken, das ich noch nicht einmal in der Lage bin mir selber zu helfen, wie um Gottes Willen soll ich denn dann nur ihren Vierbeinern helfen. Anfangs hatte ich bei solchen Aktionen auch immer einen ordentlichen Verschleiß an Ibuprofen und Voltaren und mußte mich dann zum Schlafen auch noch mit Valoron abdröhnen, mittlerweile habe ich aber den ganzen Spaß mit Akupunktur und Lasertherapie ganz gut im Griff. Da mit der Lauferei wird jetzt auch fast von Woche zu Woche besser. Der Knochen ist halt jetzt endlich richtig durchbaut. Wurde aber auch Zeit, das war schon ne ganz schöne Trantüte.
:lol:
Schön, das es dir schon einigermaßen gut geht und du diese dämlichen Krücken los bist. Das Skilaufen verschiebst de einfach um ein Jahr, die Berge laufen dir schließlich nicht weg. Mein Pferd hat auch die ganzen Jahre gewartet und der hat schließlich Beine. :lol:
Die Idee mit dem Schneeschuhwandern ist sicherlich gar nicht so verkehrt, das macht vor allen Dingen 1. ne Superkondition und 2. sicher auch bombastische Muskeln über die sich dein Knie bestimmt sehr freuen wird. Halte also wacker durch, du siehst ja jetzt schließlich das es auch bei absolut beschissenen Prognosen immer ein wenig besser wird. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut.
Liebe Grüße
Speedy

Ingo
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Wie geht es Dir?

Beitrag von Ingo »

Hallo Speedy

Habe Deine Geschichte gelesen, ich glaube Du hattest wirklich Glück das Sie Dich so gut wieder hergestellt haben. Ich glaube mehr kann man bei dieser Zertrümmerung auch nicht erwarten.

Was ist mit Dein Tibiakopf, ist der ganz geblieben?

Meine Geschichte war auch nicht gerade prickelnd ( kannst Du im Forum lesen) habe heute nach 1Jahr und 5 Monaten auch immer noch Beschwerden beim laufen und jeglicher Belastung, in Ruhe sitzen oder liegen , nicht. Arthrose läßt grüßen, habe ausgeprägten Knorpelschaden durch die Zertrümmerung des lat. Tibiakopfes.

Bist Du eigentlich wieder arbeitsfähig ? Wie gehst Du mit deinen Beschwerden um? Ich komme nicht klar damit, vor allen Dingen mit dem Gedanken das es nicht mehr besser wird und einen ein TEP irgendwann erwartet.

Würde mich interessieren wie es Dir geht.

Viele Grüße Ingo aus Berlin.

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