19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

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Andi Jacomet
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19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Andi Jacomet »

Auch der Forengründer und -betreiber meldet sich wieder einmal. Vorweg; ich finde es wunderbar, wie sich dieses Forum weitgehend zu einem Selbstläufer entwickelt hat und dass meine Verletzung so auch eine gute Seite hatte.

Meine "Ur-Geschichte" mit dem Unfall und der Umstellungsosteotomie (Winkelkorrektur) anno 2005 ist ja hier dokumentiert. All das kommt mir heute vor wie "aus einer anderen Zeit". Ich hatte mehr oder weniger 15 Jahre lang Ruhe, von da her hat die Winkelkorrektur bestens gewirkt.

Ich hatte gehofft, dass dies noch eine Weile lang so weiter geht und ich vor dem magischen Alter von 50 (2022 bei mir) noch keine Prothese benötige. Der Operateur anno 2001 schätzte, dass ich mit etwa 45 so weit sein würde. Mit Bergabgehen >10 Minuten lang war seit langem Schluss, immerhin waren Spaziergänge ohne Abwärtsgehen, Radfahren und auch extensives Skifahren (30-40 Tage pro Winter) gut möglich, teils mit Antirheumatika (75-150mg Dicolfenac pro Tag).

Nun, so wie es derzeit ausschaut, wird es nun bereits diesen Herbst so weit sein mit dem Gelenksersatz.

Seit Sommer 2019 plagt mich ein brennender Schmerz im medialen Gelenkskompartiment, auf dem MRI zeigt sich auch deutlich, dass dort auf der Innenseite "Knochen auf Knochen" ist. Das Schienbeinplateau brennt teils selbst in Ruhe richtiggehend - wie wenn jemand glühende Kohle hineinlegen und wieder rausziehen würde.

Am schlimmsten ist jedoch der Schmerz, den eine mit Flüssigkeit gefüllte Bakerzyste hinten links verursacht. Gerade beim Velofahren ist das bei der Anwinkelung kaum auszuhalten. Das Knie fühlt sich dann an, wie wenn es gleich platzen würde, und schmerzt auf Stufe 8-9 von 10. Inzwischen passiert das schon beim Treppensteigen.

Zwei Cortisoninjektionen im August 2019 und Februar 2020 brachten nur eine leichte Besserung. Nach rund 10 Monaten musste ich mir eingestehen: Das ist keine Lebensqualität mehr. Ich liess mich von meinem Rheumatologen (meine Grunderkrankung ist ja Morbus Bechterew) zu einem Orthopäden überweisen, da der Kniespezialist meines Vertrauens inzwischen in Rente gegangen ist.

Soeben komme ich also vom Spezialisten. Der war nach Begutachtung des MRI sehr bestimmt: ausser einem komplett neuen Gelenk gebe es nichts, "sonst sind Sie einfach nach vier Monaten wieder bei mir." Ich nehme an, die Krankenkasse wird noch eine Zweitmeinung wollen, aber der Fall ist wohl klar. Er rechnet mit 6 Tagen Hospitalisation, 4-6 Wochen Krücken und 4-6 Monaten, bis ich wieder Skifahren könnte; die Erfolgsaussichten im Sinne von "deutlich besser" schätzt er auf 80-90%.

Nach einem CT geht's aber eh zwei Monate, bis das in den USA massgeschneiderte Gelenk hergestellt ist. Realistischerweise kann eine Ops demnach frühestens Anfang September stattfinden.

An sich hatte ich gehofft, dass man mit einem kleineren Eingriff "etwas bewirken könnte", vielleicht so für 5-8 Jahre. Das Brennen würde ich wohl noch ne Weile aushalten, das Problem mit der Bakerzyste sicher nicht.

Frage in die Runde: Positive / negative Erfahrungen mit (Total-) Prothesen bzw. mit Alternativen?

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Ursel
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Ursel »

Hallo Andi
Schön das du dich an deinem eigenen Forum noch beteiligst.Es wird zwischen uns "Alten" so gut wie nicht mehr genutzt.Ich lese wohl noch viel mit.Aber es gibt ja auch noch ein par Neue.Ich habe Gott sei Dank seit 2014 keine weiteren großen OP`s mehr gehabt.Angefangen hat es ja 2005. Du bist noch reichlich jung für ein TEP. Ich war 64Jahre. Jetzt hat mein Arzt mir aber nahe gelegt ich sollte mir mal Gedanken wegen der fordschreitenden Arthrose im rechten Knie,alles vorher war links, machen.Ich gehe langsam auf die 80zig zu und da würden Op´s auch nicht einfacher.Am Ende heist es immer es ist natürlich ihre Endscheidung und ihre Lebens Qualität.Mein rechtes Knie ist seit dem Tep nicht so optimal geworden,das läge aber auch an der vorherigen Tibiakopffraktur. Wer läst sich gerne operieren und das in meinem Alter? Ich war froh das ich 6Jahre mal ohne OP und Reha leben konnte.Zwischen 2005und 2014 hatte ich 6 Op`s.und alle am linken Bein.Zurückgeblieben ist auch noch die Fußheberschwäche von dem Tibiakopfbruch.OP ja oder nein liegt wirklich daran was du noch von deiner Lebensqualität erwartest. es grüßt dich Ursel

PS das wichtigste hache ich noch vergessen.Es gibt da im Netz einen Physioth. Liebscher und Bracht der hat viele Maßnahmen und Übungen für die verschiedensten Wehwehchen.Unter anderem auch für die backerzyste.Sollte man erst ein mal versuchen bevor man sich unter`s Messer begiebt
2005 laterale Tibiakopffraktur mit Platte 5 Schrauben,Spangioseplastik,Peronäusparese.
2007 Metallentf.
2010 Knie Tep mit gleichzeitiger X-Bein Umst.
2011 Hüft Tep
2012 Suprakondyläre Oberschenkelfrak. mit Platte und 11 Schrauben
2013 Metallentf.

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Andi Jacomet
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Andi Jacomet »

Danke, Ursel... ich befürchte, ich komme nicht darum herum. Das ist so keine Lebensqualität mehr - und das Knie ist echt "am Allerwertesten", denn ich habe mir nun mal den Befund des letzten MRI (August 2019) kommen lassen, um das schwarz auf weiss zu lesen. Selbst als "leicht besser kniegebildeter Laie" ist mir klar, dass da sehr vieles sehr kaputt ist.

Mein Rheumatologe, mein Vater (auch Arzt) und der Spezialist sind sich "leider" einig, dass es wohl nur mit einer Vollprothese gehen wird. Ich werde aber dennoch eine "offizielle" Zweitmeinung einholen.

Wer sich das antun will:

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Ursel
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Ursel »

Hallo Andi Das sieht wirklich nicht gut aus.Wenn es dann sein muß.....aber Liebscher und Bracht zeigt wirklich viele Übungen um Schmerzen zu lindern.Ich habe mir oft Linderung verschaffen können. Dann man auf in den Kampf. Viele Grüße Ursel
2005 laterale Tibiakopffraktur mit Platte 5 Schrauben,Spangioseplastik,Peronäusparese.
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ikki
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von ikki »

Lieber Andi,

damit kenne ich mich (zum Glück) noch nicht aus. Aber an dieser Stelle mal DAnke für das Forum! Es hat mir nach meinem Unfall wirklich weitergeholfen und auch wenn es da schon etwas inaktiv war habe ich viele Antworten auf meine Fragen in alten Beiträgen gefunden :)

Viele Grüsse,
iki

Limone
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Limone »

Hallo Andi,

Vielleicht hilft doch noch Dehnung etc. KG. Kann mir aber darüber kein Urteil erlauben.
Bei mittleren Knie (andere Seite)/Schulter und Rückenschmerzen konnte ich z.Teil Besserung mit Liebscher Bracht erzielen.
Allerdings sind die o.genannten Bereiche nicht operiert.


Heute in der Reha saß ein Mann, der vor Max. 2 Wochen eine künstliche Hüfte eingesetzt bekommen hat.
Er lief besser als ich :oops:

Kann man vielleicht nicht ganz mit einer Knieprothese vergleichen, aber mit einem guten Operateur ist die Lebensqualität dann vielleicht sogar Wesentlich besser als zur Zeit.

Egal wie Du Dich entscheidest, ich wünsche Dir alles Gute.
Limone

Bruchpilot
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Bruchpilot »

Limone hat geschrieben:
Fr Jul 10, 2020 5:40 pm

Heute in der Reha saß ein Mann, der vor Max. 2 Wochen eine künstliche Hüfte eingesetzt bekommen hat.
Er lief besser als ich :oops:

Kann man vielleicht nicht ganz mit einer Knieprothese vergleichen
Hallo,

doch kann man, ich habe diese Erfahrung in der Reha auch gemacht und schlagartig überlegt, ob ich mit meinen verzweifelten Knochenerhaltungsversuchen nicht den falschen Weg eingeschlagen habe.
Die Leute mit Knieprothesen kamen als AHBs direkt aus dem Krankenhaus in die Reha und gingen nach drei Wochen mit voller Belastung ohne Stützen.
Ich habe überschlagen: bis jetzt insgesamt vier OPs nach meinem Unfall. Die erste wäre auch für eine Prothese nötig gewesen, um erstmal meinen Müsliknochen wieder zusammen zu flicken zur Prothesenbefestigung, aber die anderen drei mit insgesamt 9 oder 10 Monaten Gehstützengehoppel..... :shock: ????
Mmmmmhhhh????!!!!
Aber ich bin zu jung, das ist zu kurzfristig gedacht. Meine Option der achsgeführten TEP mußte jetzt echt noch nicht sein.
Und ganz ehrlich, Andi, ich würde mir an Deiner Stelle trotzdem noch weitere Meinungen einholen.
Ich war insgesamt bei vier "Kniegöttern" und spezialisierten Kliniken, alle haben mein Knie abgeschrieben.
Der fünfte hats dann zumindest für die nächsten Jahre gerichtet und er ist mein Held dafür..... :D
Niemals zu früh aufgeben, selbst wenn es in dem Augenblick gerade unerträglich ist......!!!!
Ich wünsche Euch, dass Ihr für Euch den richtigen Weg findet,
Ganz liebe Grüße,
Bruchpilot
Wenn Du fliegen willst, mußt Du das loslassen, was Dich runter zieht!

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Andi Jacomet
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Andi Jacomet »

Hallo zusammen,

Danke für Eure Antworten! Ich habe mich entschieden, den Eingriff zu machen, und zwar am 18. September.

Wer mein "vermüesletes" Knie anschauen will: Hier ist das aktuelle CT als Video.

Limone
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Re: 19 Jahre nach dem Unfall: Knieprothese in Sicht

Beitrag von Limone »

Hallo Andi,

Alles Gute für die Op! Ich wünsche Dir, dass auch sportlich wieder ganz viel und ohne Schmerzen geht!!!
Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du auch darüber und Deine Erfahrungen danach mit ggf. Reha, Physio und Alltag/Sport
Weitergibst.

Ich bin gerade mitten in der Reha und auch hier Ist Arthroserisiko und damit einhergehend irgendwann TEP gefallen.
Ist zwar nur erst mal Statistik, aber wer weiß.
Und was ich bisher so gelesen habe, gibt es auch andere Forenmitglieder, die sich demnächst oder in 10 Jahren damit beschäftigen
Dürfen.
Liebe Grüße
Limone

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