Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

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Bruchpilotin63
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Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilotin63 »

Hallo,
Ich habe hier schon viele interessante Beiträge gefunden. Auch wenn sie mir etwas Angst machen, wenn ich lese was noch alles passieren kann.
Ich (57 Jahre) war am 12.04.20 mit dem MTB im Harz unterwegs. In der letzten Spitzkehre am Steilhang hat es mich dann zerlegt. Resultat: Bergwachtbergung, Kreiskrankenhaus, Verlegung auf eigenen Wunsch ins HEH nach Braunschweig. OP ein Tag später: Klassifizierung Schatzker Typ VI bzw. AO 41 C3 mit 7 Schrauben, 4 Platten. Also übelste Sorte. Aber keine Bandrupturen und der Knorpel nur 1xgebrochen. An einer Stelle besteht die gefahr einer Pseudarthrose. Der Physiotherapeut befürchtet eine varusstellung im Knie (o-Bein).
Am 2. Tag nach der Op habe ich bereits O - 90 Grad erreicht. Teilbelastung bis 25 kg bis zur 8. Woche möglich. Geht auch alles problemlos. Kompartmentsyndrom konnte verhindert werden.

Nun, eigentlich fühlt sich nach 4 wochen alles schon recht gut an. Knie ist auch nur noch geringfügig geschwollen. Aber sowohl der Arzt als auch der Physiotherapeut haben viele Vorbehalte. Beugung max. 110-120 Grad als Endstufe. Also radfahren zukünftig schwierig?

Nun will ich unbedingt eine Reha machen. Zu Zeiten von Corona aber Schwierig. Keine Plätze frei. Nur Anschlussheilbehandlungen möglich. Wurde im Krankenhaus nicht beantragt gab es zum Entlassungstermin am 28.04. Leider nicht. Würde gern nach Damp2000, schleswig Holstein nimmt derzeit aber keine Patienten aus anderen Bundesländern. Könnt ihr gute Kliniken in MVP oder Niedersachsen empfehlen? Träger ist bei mir der DRV Bund...

Danke für eure Rückmeldunge
Herzliche Grüße
HEIKE

Bruchpilot
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo,
Herzlich willkommen hier!
Du wirst mit diesen Verletzungen und ohne mögliche Vollbelastung von einer AHB kaum profitieren, weil die nicht wirklich viel mit Dir machen können.
Ich würde an Deiner Stelle zunächst noch vor Ort trainieren mit der Physio und vielleicht gibt es bei Dir in der Nähe eine Praxis, in der KG am Gerät möglich ist. Das hat mich anfangs gut voran gebracht, allerdings auch erst als Vollbelastung möglich war. Und dann würde ich eine Reha machen, mit guter Vollbelastung und wenn Du ohne Stützen laufen darfst und kannst.
Glaube mir, eine AHB bringt Dir nicht viel. Dein Knie wird schnell überlastet sein und die arbeiten nicht in den Schmerz hinein. Das ist dann nämlich eher kontraproduktiv.
Damp2000 kenne ich von früher, das war super. Ich war im Februar in Oldenburg in der Rehaklinik, die kann ich sehr empfehlen. Hat mich gut weiter gebracht.
Bad Zwischenahn soll mittlerweile gut sein, dort war ich vor 23 Jahren wegen meines Rückens, damals fand ich es nicht so toll. Aber innerhalb eines so langen Zeitraumes kann sich ja einiges ändern.
Wie gesagt, zum jetzigen Stand kann ich Oldenburg sehr empfehlen.
Warte noch etwas ab, Dein Knie braucht auch die Zeit und wenn Du es zu früh belastest geht es eher nach hinten los, eine Stufe im Frakturbereich durch zu frühe Belastung und Training willst Du mit der Verletzung auch nicht provozieren.
Ich denke, dass das auch deshalb von Seiten der Klinik nicht angedacht war.
Und mit etwas mehr Zeit entspannt sich auch die Coronasituation und dann wird es vielleicht besser passen, als jetzt auf Biegen und Brechen eine Massnahme zu beantragen, die nicht richtig passt und Dich dann auch nicht weiter bringt.
Zum Radfahren reichen übrigens 120°.....
Liebe Grüsse und gute Besserung,
Bruchpilot
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Limone
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Limone »

Hallo bruchpilotin63,

Ich kann bruchpilot nur bestätigen.
Man ist sehr schnell überlastet. Das Bein braucht Zeit zum Heilen.
Ich bin seit 8 Wochen in Vollbelastung und konnte am Anfang wegen Corona keine Reha beantragen.
Bei mir ist es sogar jetzt noch in Vollbelastung so, dass jede Belastungssteigerung wieder abends und nachts schmerzt.
In der Teilbelastung hatte ich tagsüber sehr schnell keine ausgeprägten Schmerzen mehr. Das ist aber sehr individuell.
Jetzt geht Reha wieder in Bayern.
Mal sehen, ob da jetzt zu dem späten Zeitpunkt noch was genehmigt wird.
Sinnvoll würde ich es auch Und gerade jetzt sehen, da durch die Vollbelastung auch Rücken und Hüfte verspannt sind.
Auch jetzt noch viel Muskelaufbau nötig ist...
Die Beugung noch nicht vollständig und und und.

Viele Grüße
Und alles Gute
Limone

Bruchpilotin63
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilotin63 »

Hallo, ich danke für die Rückmeldungen. Ab heute (6. Woche) ist die Einschränkung mit 90 Grad weg. Am Tisch lässt sich das Knie schon locker baumeln. Mal sehen, was der Physiotherapeut da morgen raushilen kann. Schmerzen habe ich seit dem Krankenhaus nixht mehr... ich durfte von Anfang an 25 kg. Noch 2 Wochen (also ab der 8. Woche) ist nach der Röntgenkontrolle auch dies freigegeben. Und der Therapeut sagt, dann müssen wir Gas geben...
Mit der DRV Bund habe ich telefoniert. Ich könnte wohl Ende Juni nach Bad Pyrmont. Allerdings gibt es aufgrund der Corona Geschichte z. B. kein Wassertraining. Ansonsten wäre Ende Juni eigentlich gut.... kennt jemand Bad Pyrmont?
Liebe Grüße
Heike

Bruchpilotin63
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilotin63 »

Ich hab mich heute zum ersten Mal wieder auf mein MTB gesetzt und bin eine kleine Runde gefahren. 10 Wochen nach der schweren OP. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es geht problemlos. Der Operateuer hat zumindest das Knie gut zusammengesetzt, bei schatzker VI habe ich damit in diesem Jahr nicht mehr gerechnet. Ws bleibt aber ein bisschen Wehmut. Laufen geht nicht schmerzfrei, geht eigentlich gar nicht, weil das Sprunggelenk das schiefe Bein von oben nicht mehr ausgleichen kann..
Ich soll mich in Hamburg in der Klinik vorstellen. Da werden jetzt Knie und Sprunggelenk mal gemeinsam angeschaut....
Und ich habe für Damp 2000 eine Zusage, aber noch keinen Termin.
Liest hier eigentlich noch jemand mit? Vielleicht kann ich anderen etwas Mut machen, es kostet alles viel Geduld und Beharrlichkeit, aber es kann sich lohnen.
Liebe Grüße
Heike

Reiterin
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Reiterin »

Hallo. Ja, ich lese hier zum Beispiel noch mit. Seit meinem Unfall, also seit sechs Monaten, lese ich hier mit. Angemeldet hatte ich mich aber erst jetzt ganz neu.
Während der sechs Wochen mit Teilbelastung 15 kg, also eher gar nichts, war ich auch schmerzfrei. Dann kam die Freigabe und die Enttäuschung. Dachte ich doch zuvor, dass, wenn man sein Leben lang viel auf den Beinen unterwegs war, einfach wieder loslaufen könnte. Aber falsch. Mein nachbehandelnder Chirurg hatte mich wenig darauf vorbereitet. Nach ihm war alles wieder heile. So habe ich mich selber ziemlich unter Druck gesetzt und als Folge wurde das Knie dick, heiß und schmerzhaft. Es wurde punktiert und die Flüssigkeit untersucht. Der Arzt befürchtete, dass ich mir einen Keim eingefangen hätte. Quarkwickel haben dann geholfen und mehr Schonung. Und weniger Krafttraining. Jetzt nach sechs Monaten könnte ich mir die Reha sinnvoll vorstellen. Aber mein Mann kommt gerade aus der Reha und die Einschränkungen wegen Korona waren doch schon heftig. Da hätte ich keine Lust drauf. Hoffentlich hast du Glück und die Einschränkungen sind nicht zu stark. Nicht nur die Therapien sondern auch die Freizeit muss bedacht werden. Wenn du nicht ungehindert raus kannst und nur auf dem Zimmer essen kannst, ist das schon belastend. Frage auf jeden Fall nach, wie das gehandhabt wird und hoffe, dass es dann auch so bleibt. Es ändert sich ja laufend was. Ich hatte bis vor drei Wochen noch Physiotherapie und bin jetzt beim Funktionstraining. Aquajogging , was ich vorher gemacht hatte, ist zum Beispiel noch nicht freigegeben. Da bin ich froh, dass ich wieder reiten kann. Das ging gleich und tut mir gut. Fahrradfahren ebenso. Was ich jedoch nicht so sportlich betreibe. Im Harz bliebt mein Rad schon immer zu Hause. Hut ab vor denen, die da unterwegs sind. Da lasse ich lieber das Pferd laufen, auch wenn's nicht ungefährlicher ist.
Halte uns über Reha auf dem laufenden. Das interessiert mich sehr
LG

Bruchpilot
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo Heike,
ich lese auch noch mit, wobei ich derzeit dank Coronas Schuleinschränkungen mit vier zuhause mehr schlecht als recht beschulten Kindern kaum noch zu Foreneinträgen komme..... :?
Aber Dein Beitrag hat mich jetzt doch bewogen, mal kurz zu antworten.
In welcher Klinik hast Du Dich in Hamburg vorgestellt?
Ich selber bin in Hamburg bisher dreimal operiert worden (ebenfalls massive Varus-Fehlstellung nach der Fraktur mit Verlust des äusseren Seitenbandes Abriss des hinteren Kreuzbandes und Verletzung des vorderen Kreuzbandes und dadurch bedingter starker Instabilität), habe auch lange nach einem Arzt gesucht, der sich an mein schiefes, instabiles Knie ran traut und im Klinikum St. Georg wurde dank des ambitionierten Oberarztes mein Gelenk erstmal samt Seitenband rekonstruiert, begradigt und erhalten und ich kann wieder laufen, Rad fahren und meinen Alltag gut bewältigen. Das Gelenk ist nicht wie vorher, ich habe nach wie vor Einschränkungen, aber dafür, dass es von allen andere Ärzten abgeschrieben war, funktioniert es zur Zeit wirklich gut und ich bin sehr dankbar dafür.
Im Februar war ich, zum Glück noch kurz vor Coronas Folgen, zur Reha in Oldenburg. Auch das hat mich nochmal voran gebracht, wenn auch nicht so spürbar, wie wenn man relativ kurzfristig nach der letzten OP eine Reha antritt. Bei mir war zu der Zeit ja, dank unendlichem Bewilligungszeitraum, schon fast ein Jahr vergangen. Trotzdem war die Reha gut und ich konnte vieles an Übungen machen, was kurzfristiger nach den OPs sicher nicht so gut möglich gewesen wäre.
Damp 2000 kenne ich.
Ich bin vor 20 Jahren selber dort zur Reha gewesen, allerdings nach Bandscheiben-OP. Ich fand es dort sehr gut, wobei man sich bewusst sein muss, dass das wirklich eine riesige Klinik ist, die allerdings dadurch auch einiges an Möglichkeiten bietet. Ausserdem ist sie traumhaft direkt an Strand und Meer gelegen, wenn auch die Gebäude selbst schrecklich sind, wird man doch mit etwas Glück mit einer Balkonaussicht auf die Ostsee belohnt.
Damp wäre auch mein erster Wunsch für meine Reha gewesen, aber dann kam die Zusage für Oldenburg. Nach anfänglicher Überlegung, ob ich doch auf Damp bestehen soll, blieb es für mich bei Oldenburg, denn so konnte ich meine Familie einmal pro Woche sehen. Das wäre in Damp auf Grund der Entfernung nicht möglich gewesen.
Besteht denn bei Dir die Möglichkeit, dass sich noch weitere OPs anschliessen wegen Deiner Fehlstellung? Macht denn eine Reha dann jetzt Sinn für Dich? Ich hatte meine damals zugesagte Reha nach meiner ersten OP nach dem Unfall dann ja gleich wieder verschoben.
Für mich war klar, dass mein Bein in dem damaligen Zustand mit der massiven Fehlstellung nicht bleiben kann, denn ich konnte ja auch gar nicht gut laufen. Ich hatte durch die Fehlstellung und den humpeligen Gang massive Rückenbeschwerden. Auch hätte eine Reha so keinen Sinn gemacht, es ging ja nix..... Radfahren konnte ich damals allerdings auch, nur nicht gut auf- und absteigen.....
Ich wünsche Dir alles Gute für Deine weiteren Entscheidungen und bin gespannt auf Deine Antwort.
Liebe Grüße,
Bruchpilot
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Bruchpilotin63
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilotin63 »

Wir zwei Bruchpiloten :-(
Mir wurde Dr. Schwer empfohlen, er hat wohl in der Klinik Fleetinsel gearbeitet. Den Termin habe ich erst mal abgesagt, den gab es recht schnell. Also keine Wartezeiten. Ich weiß nicht ob die Klinik ohne Dr. SCHWER immer noch einen guten Ruf hat. Ich nehme am 06.07. Erst einmal einen Termin bei meinem Oberarzt wahr, der der mich operiert hat. Mal schauen was er sagt. Konntest du auch nicht abrollen? Ich habe mir 2005 mein Sprunggelenk zertrümmert und daher weiß ich nicht genau, wo es mehr dran hakt. Mein OSG oder meine Tibia. Das Knie selbst ist klasse. Das lässt sich fast wieder voll bewegen, in alle Richtungen. Aber warum kann ich dann nicht laufen?
Nach welchem Zeitraum hast du dein Knie begradigen lassen? Meine Bänder sind alle heil, trotzdem "schwabbelt" das Knie etwas. Ich mache aber sehr konsequent meine Übungen.
Ich habe so Angst was noch alles auf mich zukommt. Brauche ich vielleicht erst einmal eine Prothese für das OSG. Das wurde mir bereits 2007 in Magdeburg in der Klinik angeboten. Bisher kam ich damit aber gut zurecht und war immer sehr aktiv. Bis hin zum Bergsteigen - meiner Leidenschaft.

Bruchpilot
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Re: Anschlussheilbehandlung in coronazeiten

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo,
ich kann Dir Dr. Akoto im Asklepios-Klinikum St. Georg sehr empfehlen. Dort gibt es allerdings Wartezeiten auf Termine, da würde ich vorsorglich an Deiner Stelle gleich einen Termin machen, absagen kann man ja immer.
Konnte ich abrollen? Eigentlich nicht wirklich.....Das Dilemma zeichnete sich bei mir ab, als ich an Stützen anfangen sollte, mit max. 20 kg Belastung ab zu rollen, das war etwa 6 Wochen nach der Unfall-OP.
Bis dahin war mir eine Nullbelastung verordnet ohne Bodenkontakt. Ich trug zu der Zeit eine Orthese, die aber auch nicht ausreichte, um das Gelenk zu stabilisieren und als ich anfangen durfte ab zu rollen, wurde meine Fehlstellung deutlich. Mein Kniegelenk war durch die Verletzung meines äusseren Seitenbandes und der Kreuzbänder komplett instabil, knickte nach aussen weg und machte ein wunderbares O-Bein. Ich konnte es auch von rechts nach links anwinkeln, aber ich brachte keine vollständige Streckung zustande, ging also immer mit leicht angewinkeltem Knie, was natürlich auch ein rundes Abrollen oder einen humpelfreien Gang unmöglich machte. Mir war sehr schnell klar, dass das so nicht bleiben konnte und es begann eine recht lange Ärzteodyssee, bevor ich zu Dr. Akoto kam.
Auch ich hatte mich zunächst nochmal bei der Klinik vorgestellt, in der ich nach dem Unfall operiert worden war. Zu dem Zeitpunkt durfte ich zwar schon voll belasten, konnte aber ohne Stützen nicht sicher gehen.....
Ich geriet dort in der Ambulanz an einen jungen Assistenzarzt, der beeindruckt vom Umfang meiner Verletzungen, der Meinung war, dass das doch alles recht gut ausschaue und die kleine Instabilität ließe sich sicherlich gut durch eine Arthroskopie beheben, bei der das verletzte Seitenband nochmal ein bisschen nachgestrafft werden könnte.....Ich sollte zunächst weiter KG machen und Laufen trainieren und dann könnte ich mich ja nochmal vorstellen, wenn alles noch etwas stabiler verheilt sei.....
Ich trainierte Laufen, diesbezüglich war ich auch gefordert, ich habe vier Kinder und mit Eintritt in die mögliche Vollbelastung, unabhängig, ob man dann voll belasten kann oder nicht, wurde mir sofort meine Haushaltshilfe gestrichen. Also musste ich laufen, Kneifen ging dabei nicht.....ich habe erst kurze Strecken trainiert, vom Tisch zur Tür oder zum Schrank und dann mit Stützen weiter. Die Strecken wurden langsam länger, nach einigen Tagen bewegte ich mich im Haus ohne Stützen, alle Wege draussen zur Sicherheit noch mit. So war mein Training, aber mit massiver Instabilität und Fehlstellung, alles sehr humpelig.
Für die Ausstellung des KG-Rezepts stellte ich mich bei einem Orthopäden vor. Der wollte neue Röntgenbilder und schlug dann die Hände über dem Kopf zusammen auf Grund dieser Bilder. Stufenbildung im Frakturbereich, massive Fehlstellung und Instabilität des Gelenks, das durch eine Arthrose Stufe 3 bis 4 (von der ich bis dahin nichts wußte) schon vorbelastet war.
Sein Urteil war hart und er sagte es mir schonungslos. Seiner Meinung nach ein eindeutiger Fall für eine achsgeführte TEP. So könnte ich ja wohl nicht weiter laufen.
Da hatte er recht. Selbst die kürzesten Strecken waren eine Tortur und ohne Pausen alle paar Schritte nicht machbar. Ich hatte massive Rückenschmerzen vom krummen Gehen. Die damals schon bewilligte Reha sagte ich ab. Allerdings wollte ich mich mit der achsgeführten TEP in meinem Alter auch nicht abfinden. Also habe ich Termine gemacht. MHH, Praxis Prof. Lobenhoffer in Hannover, Argon Orthopädie Hamburg und schliesslich Dr. Akoto auf Anraten eines anderen Users hier, dessen beide Knie dort auch erfolgreich operiert worden sind.
Bis auf einen einzigen Doktor in der MHH, der aber zwischenzeitlich dann nach Köln gewechselt ist und Dr. Akoto haben alle abgewunken. Da der Arzt von der MHH dann weg war und seine Kollegen sich auch nicht getraut haben, hatte ich dann im November, knapp 7 Monate nach meinem Unfall meinen Termin bei Dr. Akoto.
Der hörte sich alles an, machte während des Termins Röntgenbilder und CT vom gesamten Bein von Hüftgelenk bis Fuss und hat alles vermessen.
Er sagte mir, dass ich in seinen Augen zu jung sei für eine achsgeführte TEP und dass man auf jeden Fall versuchen sollte, diese auf zu schieben.
Er hatte ein Konzept, zwei OPs, zunächst eine OP zur Metallentfernung der Platten und Schrauben, die nach dem Unfall hinein gekommen sind und gleichzeitig eine Arthroskopie meines Gelenks mit notwendigen Massnahmen zum Glätten oder Säubern von Knorpelflächen und Kontrolle der Kreuzbänder. Während der zweiten OP sollte die Varusfehlstellung im Bereich des Oberschenkels korrigiert werden, dabei sollten neue Platten und Schrauben zur Stabilisierung rein, Reinigung des Peroneusnervs im Bereich der Vernarbungen und das fehlende Seitenband aus meiner Patellasehne sollte rekonstruiert werden. Seine Prognose war, dass ich anschliessend, wenn alles gut ginge, hoffentlich noch 10 Jahre mit meinem Knie würde laufen können.....DEAL! Ich ging mit einem OP-Termin nach Hause!
Mitte Dezember folgte die erste OP, 8 Monate nach meinem Unfall. Ganz komplikationslos war sie nicht. Die Stufenbildung im Frakturbereich war noch umfangreicher als das Röntgenbild und CT es gezeigt hatten und so mußte er den Bereich mit Fremdknochen unterfüttern und nochmal verplatten und wieder schrauben.
Aus einer geplanten OP-Stunde wurden damit vier, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Ausserdem folgten statt sofortiger Vollbelastung, die ja nach eine Metallentfernung möglich gewesen wäre, wieder 8 Wochen Entlastung bis max. 20 kg.
Im März folgte dann der große Eingriff mit einer Nachkorrektur des Begradigungswinkels nach einer Woche. 6 Wochen durfte ich das Knie danach nicht anwinkeln, damit das neue Seitenband gut anwachsen konnte, insgesamt waren 12 Wochen Entlastung angesagt.
Tja, was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt.....
Mein Knie ist nicht wie neu. Es wird auch immer sehr geschädigt bleiben. Ich kann nicht joggen oder schnell laufen, denn je schneller ich laufe, desto mehr humple ich und laufe Gefahr, zu stürzen wegen meiner Fussheberschwäche.
Aber ich kann wieder laufen, ich kann spazieren gehen und auch wandern und zwar mehrere Kilometer. Im normalen Tempo und mittlerweile nur noch mit leichtem Humpeln, welches ein Fremder wohl kaum noch wahr nimmt. Ich kann Fahrrad fahren und dabei gut auf- und absteigen......Ich kann wieder Treppen steigen, hoch- und runter.....Ich war letzten Sommer in einem OpenAir-Konzert und stand in der ersten Reihe! Das ist Lebensqualität, die ich gewonnen habe. Und das war die ganzen OPs wert!
Ein weiterer Vorteil: sollte ich nach den prognostizierten 10 Jahren tatsächlich eine TEP brauchen, besteht die Möglichkeit, dass ich eine TEP ohne Achsführung haben könnte, wenn das rekonstruierte Seitenband gut hält.....
Aber das ist Thema für später. Im Moment möchte ich da gar nicht dran denken......
Lass Dich gut beraten, hole Dir mehrere Meinungen, so lange bis Du auf eine Arzt triffst, bei dem Du Dich gut aufgehoben fühlst.
Bist du unsicher, nimm Dir noch mehr Zeit und hole Dir noch eine weitere Meinung. Von heute auf morgen gibt es selten Lösungen. Es braucht Zeit und viel Geduld, sowohl die Heilung als auch die Lösung von solch schwer wiegenden Problemen.
Überstürze nichts, höre auch auf die Physiotherapeuten und unterschätze nicht die Muskelschwächen nach so schweren Verletzungen, die ja immer das ganze Bein betreffen, auch Dein vorgeschädigtes Sprunggelenk.

Ich wünsche Dir alles Gute,
Bruchpilot
Wenn Du fliegen willst, mußt Du das loslassen, was Dich runter zieht!

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