Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

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mtinchen
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Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von mtinchen »

<t>Hallo zusammen,<br/>
<br/>
Nachdem ich viel gelesen habe, erzähle ich nun auch noch meine Geschichte.<br/>
<br/>
Am 6. Februar verunfallte ich beim Skifahren in den Schweizer Bergen. <br/>
Wir sind alle im Speedkanal runtergefahren, wo man die Geschwindigkeit messen kann. Ich als letzte und meiner Meinung nach ohne allzu grosse Geschwindigkeit. Als ich schon im flächeren Teil war, spürte ich eine Bodenwelle und mein rechtes Bein riss es nach aussen. Leider hatte ich nicht die Kraft das Bein wieder „auf Spur“ zu bringen und spürte einen unglaublichen Schmerz und fiel dann um.<br/>
Nach dem Sturz dachte ich, „hey gar nichts kaputt“ und wollte aufstehen - konnte aber nicht und hatte extreme Schmerzen. Der Rettungsschlitten kam dann, sagte aber, er könne nichts für mich tun, weil als er mich anfasste am Bein, schrie ich so laut, dass er es nicht mehr wagt emich erneut zu berühren. Er informierte dann den Rettungshelikopter, welche mir tolle Schmerzmittel spritzten und ich wurde ins Krankenhaus geflogen. Dort wurde mir gesagt, dass ich operiert werden musste. Ich dachte damals einfach, ich hätte einen normalen Beinbruch.<br/>
Als ich wieder aufwachte, sah ich dann mein Bein im Fixateur externe. Es wurde mir dann gesagt, dass ich unglaubliches Glück hatte noch hier zu sein, da ich mit 92,8km/h umgefallen sei und schwerste Beinverletzungen erlitten habe. <br/>
Mein ganzes Tibiaplateu war zerbröselt, mein Knochen wie explodiert.</t>
Nach 2 Wochen wurde ich operiert -7,5h und viele Schrauben und Plättchen zieren nun mein Bein. Ich muss nun 12 Wochen mehr od weniger liegen, hochlagern und Däumchen drehen. Physio habe ich 2x in der Woche zuhause und seit 3 Tagen habe ich eine Kinetec-Maschine zuhause, da sich mein Knie bis jetzt nur 10 Grad beugen lässt.

Alles in allem habe ich extrem Glück gehabt und übe mich in Geduld. Mein Ziel wäre gewesen bis Mitte August wieder ihne Gehilfe laufen zu können und wieder ins Berufsleben (Lehrerin) einzusteigen, dies wäre jedoch unrealistisch wurde mir gesagt.

Wie lange seid ihr arbeitsunfähig gewesen? Was sind eure täglichen Herausforderungen auch lange Zeit nach eurem Bruch?

Zur Zeit schaffe ich es noch nicht Bilder hochzuladen...

Liebe Grüsse

Martina

Bruchpilot
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo Martina,
Herzlich willkommen hier.
Das klingt ja nach einem Rundumschaden, den Du Dir da zugezogen hast. :shock:
Und bei dem Tempo hast Du ja wirklich noch Glück im Unglück gehabt, dass Dir nicht noch mehr passiert ist.
Dich in Geduld zu üben ist wohl zur Zeit schon mal eine sinnvolle Beschäftigung und bei solchen Knieverletzungen eine wichtige Voraussetzung, um die Zeit zu überstehen.....

Zu Deiner Frage nach dem Zeitpunkt der Arbeitsfähigkeit und den Herausforderungen im Alltag nach gewissen Zeiten nach solch einer Verletzung kann man Dir eigentlich keine pauschale Antwort geben.
Wenn Du hier ein bisschen stöberst, findest Du die unterschiedlichsten Verläufe und Zeitspannen, in denen sich die Betroffenen mit ihren Frakturfolgen auseinander setzen mussten. Es ist so unterschiedlich und nahezu jeder Verlauf ist anders, aber im Grossen und Ganzen ist diese Art der Fraktur in der Heilung eher langwierig und leider oft nicht ganz komplikationslos.
Aber es gibt auch die, die gut da durch laufen und nach einigen Wochen schon wieder ganz gut zu Fuss sind.
Mir scheint aber, dass die eher die Ausnahme sind.

Ist in Deinem Knie denn auch noch was heil geblieben?
Wie siehts denn mit den Bändern und Menisken aus und mit dem Fibulaköpfchen und dem Peroneusnerv?

Mein Unfall jährt sich nächsten Sonntag zum ersten Mal.
Momentan stecke ich ohne Freigabe der Beugung nach der dritten und vierten OP in der Streckschiene und hoffe auf einen erfolgreichen Heilungsverlauf, damit mir mein eigenes Kniegelenk noch ein paar Jahre erhalten bleibt.
Eventuell darf ich ab kommenden Donnerstag anfangen, wieder zu beugen, jedoch nur sehr begrenzt mit geplanter 14-tägiger Erweiterung des Winkels.
Gleichzeitig schrieben hier in den letzten Monaten zwei andere, die nach einigen Wochen wieder ohne Probleme Spaziergänge und Stadttouren unter Vollbelastung machen konnten.
So unterschiedlich kann es sein......
Man wächst zusammen mit dem geschädigten Knochen im wahrsten Sinne des Wortes da rein.....
Die Zeit wird zeigen, wohin Dich Dein Weg führt....
Ich denke, zum Planen ist es für Dich noch zu früh. Konzentriere Deine Kraft jetzt erstmal aufs Zusammenfinden Deiner Knochenfragmente.
Ich wünsche Dir alles Gute, weiterhin viel Geduld und freue mich, wieder von Dir zu lesen....
Bruchpilot
Wenn Du fliegen willst, mußt Du das loslassen, was Dich runter zieht!

mtinchen
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von mtinchen »

Hi Bruchpilot,
das ging ja schnell mit einer Antwort.

Meine Diagnose lautet: 2-Etagen Tibiafraktur mit Tibiakopfluxationsfraktur Schatzker Typ IV und VI, dh ich habe eine komplette Zerstörung des Tibiaplateau mit x Fragmenten, dann noch 2 grosse mediale Spaltbrüche, sowie sämtliche Bänder (Kreuz, Meniskus, Meniskushinterhorn) gerissen.

Ich stand kurz vor dem Verlust des Beines, aber wie durch ein Wunder blieben die Arterie und Vene (poplitea) unverletzt. Meine OP diente eigentlich nur zur Überbrückung bis ich eine Knie-Totalendoprothese bekommen kann. Diese konnte eben wegen dem 2 Etagenbruch (weit nach unten reichend) nicht eingesetzt werden.

Zur Zeit habe ich Mühe mit der Kniebeugung, mehr als 20 Grad gehen nicht...:-(. Auch mein Gefühl im Fuss und Knie ist noch gestört, dieser Nervus peroneus superficialis ist zZ gestört - man weiss noch nicht was wieder kommt od nicht.

Bruchpilot
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo,
Oha, das war ja wirklich gründlich..... :(
Das heisst, Du würdest dann wohl eine achsgeführte TEP bekommen, wenn der Bruch, soweit möglich, erstmal stabil ist?
Ich hoffe ja, dass ich mit meinen letzten drei OPs um solch eine achsgeführte TEP nochmal herum komme.
Mein Bandapparat war ja auch komplett geschrottet (hinteres Kreuzband, Aussenmeniskus, innerer Kapselbanapparat und das vordere Kreuzband war nicht ganz dabei, ist aber geschädigt worden und nicht mehr komplett stabil) und eben leider auch mein äusseres Seitenband, wodurch mein Bein in einer massiven O-Fehlstellung war und ich es gar nicht mehr komplett strecken konnte. Es blockierte einfach.
Die beiden letzten OPs haben mir jetzt unter anderem ein neues, aus einer Patellasehne rekonstruiertes Seitenband beschert und ich hoffe, dass es hält und gut verheilt.
Morgen ist Nachkontrolle mit der Fragestellung, ob ich anfangen darf wieder zu beugen. Bin jetzt seit fast vier Wochen in der Streckschiene.
Aber für solch eine achsgeführte TEP bin ich eigentlich zu jung und so hoffe ich, sie zunächst noch mindestens einige Jahre hinaus schieben zu können......

Wie alt bist Du, wenn ich fragen darf?
Gibt es denn diesbezüglich Prognosen für Dich und Dein Knie?
Aber Mensch, bei dieser Zerstörung hast Du wirklich Glück, dass Dir Dein Bein erhalten geblieben ist......

Mein Peroneusnerv hat ja leider auch etwas abbekommen und mein Fuss ist nach wie vor taub und bewegungseingeschränkt. Die letzten OPs haben das Gefühl zunächst noch weiter verschlechtert, aber diese Möglichkeit wusste ich im Vorfeld. Sie mussten den Nerv wegen der Befestigung des Seitenbandes wieder zur Seite nehmen und haben ihn auch von Narbengewebe befreit. Ich hoffe, er regeneriert sich noch ein wenig, dieses taube Gefühl ist oft sehr unangenehm, vor allem wenn der Fuss ganz kalt oder sehr warm ist und die Fussheberschwäche schränkt das Gehen auch ein.
Nun ja, dann hast Du ja wohl auch noch einige OPs vor Dir, was Deine Anfangsfrage nach dem Wiedereinstieg ins Arbeiten ja auch noch erschwert.....
Da wird August wohl doch eher der optimistische Ansatz sein.....
Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Heilungsverlauf. Und vielleicht ergibt sich durch den Verlauf ja auch noch eine neue Möglichkeit....
Ich selber habe mein geschrottetes Knie in fünf Kliniken und Praxen vorgestellt, bis ich einen kreativen Chirurgen gefunden habe, der mir sagte, er erhält mein Gelenk und wagt sich dran, es so zu operieren, dass es mir zunächst noch einige Jahre bleibt.
Ich hoffe sehr darauf, dass er erfolgreich war und rate auch sehr dazu, sich möglichst viele Meinungen an zu hören, auch was den Einsatz einer TEP angeht und wenn TEP, dann welches Modell.....
Dir alles Gute,
Bruchpilot
Wenn Du fliegen willst, mußt Du das loslassen, was Dich runter zieht!

Jette
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von Jette »

Hallo mtinchen,

mit so einer Luxationsfraktur, ausgerissenem Kreuzband usw. konnte ich auch aufwarten...bei mir ist es am 8.5. genau 10 Jahre her.
Es war ein Motorradunfall, bin übersehen worden. Steht hier auch noch irgendwo in dem Tiefen des Forums.
Vom Verlauf her wurde ich nach dem Fixateur externe mit zig Platten und Schrauben versorgt und musste erstmal 12 Wochen Zuhause rum liegen.
Anschließend ging es 6 Wochen zur Reha, noch ein paar Wochen ambulant zur Physio und danach stundenweise wieder arbeiten. Im November des Jahres war ich wieder voll arbeiten. Aber das ist ja nun wirklich sehr individuell.
Dann war erstmal alles einigermaßen gut (vom tauben Fuß mal abgesehen).
Die Metallentfernung (was noch raus ging) nach einem reichlichen Jahr verbesserte sogar die Empfindungen im Fuß wieder.
Da allerdings der Knochen nach dem Entfernen des vielen Metalls recht löchrig war, standen nach der OP wieder Krücken am Bett und 6 Wochen Leisetreten auf dem Plan.

2 Jahre später war ich im Urlaub, wir gingen spazieren und es gab, aus heiterem Himmel, einen mächtigen Knall im Knie.
Zuhause zurück verschlechterte sich dessen Zustand täglich. Ich musste mit der Hand das Knie wieder zurückdrücken, wenn ich Treppen stieg.
Kurz: eine Arthroskopie brachte das Elend zum Vorschein, da war kein Knorpel mehr, der verschleißen konnte. Der genähte Meniskus zerfiel in seine Einzelteile und das Plateau sank ab. Es war Zeit für eine Prothese. Entgegen der ärztlichen Befürchtungen wurde es zum Glück noch die ungekoppelte Variante.
So hab ich nun noch eine Eskalationsstufe :-)

Die TEP habe ich nun im 8. Jahr drin und bin wirklich wirklich froh, dass die Medizin solche Wunderwerke zur Verfügung hat.
Ich gehe voll arbeiten, stehe viel und hab dafür, dass es nicht mehr mein eigenes Knie ist, wirklich wenig aus zu stehen.
Sicher ist man eingeschränkt, darf/ kann nicht mehr alles machen (was aber mit dem gestörten Fuß ohnehin nicht möglich wäre).
Wenn ich aber die letzten Monate ohne Prothese zum Vergleich nehme...es war die richtige Entscheidung.

Was gibt man aus diesen Erfahrungen nun weiter?
Hab Geduld, such Dir fähige Physiotherapeuten (die helfen Dir mehr als Ärzte, weil sie näher dran sind) und kämpf Dich durch.
Lies nicht zuviel nach, höre lieber auf Dein Bein. Und manchmal hilft es auch, einfach mal laut zu fluchen und zu schimpfen.
Nach dieser Nummer bin ich quasi schmerzunempfindlich geworden :-) Kann durchaus von Vorteil sein, beim Zahnarzt zum Beispiel :-)

Halt uns auf dem Laufenden und behalt immer die Sonne im Blick!

Liebe Grüße
Jette

Cornelia
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von Cornelia »

Hallo Martina,

puh, da hat es Dich übel erwischt. Ich habe auch einen Luxationstrümmerbruch der schlimmen Sorte nebst Unterschenkelbruch und Abriss der hinteren Kreuzbänder. Die Ärzte sagten ebenfalls zu mir, dass es noch nicht lange her sei, dass ein solches Bein abgenommen werden musste. Der Tibiakopf war wie ein Keks zertreten. Das Resultat eines Reitunfalls, der im Oktober 2017 stattfand. Ich wurde zum Glück gut operiert. Was Ärzte in den schwärzesten Farben ausmalten, ist zum Glück nicht eingetroffen. Ich brauche keine Schmerzmittel und bin zum Erstaunen der Docs erstaunlich weit gekommen mit dem zerschmetterten Bein. Fast 140 Grad Beugung, volle Streckung. Ich kann unbegrenzt Rad fahren und ca. 3 km laufen, bevor sich das Knie meldet. Inzwischen auch leichte Steigungen mit Trekking-Stöcken. Ich gehe Aqua-Joggen und kann inzwischen auch wieder ein bisschen Brust-Schwimmen. Defizite habe ich beim Treppensteigen hoch und runter. Auch kann ich keiner Straßenbahn mehr hinterher rennen. Dennoch denke ich, dass da noch Luft nach oben ist, wenn der Muskelaufbau am verletzten Bein noch weiter vorangeht. Langes Sitzen, langes Stehen ist problematisch.

Liebe Martina. Du bist noch ziemlich am Anfang. Die Fortschritte sind winzig und oft gar nicht zu bemerken. Gehe ganz langsam und äußerst defensiv an Dein Aufbautraining. Die Beugeschiene ist Gold wert, aber auch da ist weniger langfristig oft mehr. Bei mir hat mich die kleinste Überlastung (die ich während dessen gar nicht bemerkte) gerade zu Anfang immer teils um eine oder zwei Wochen zurück geworfen. Dann waren wieder Quarkwickel angesagt. Ich kann nur jedem raten, der eine solche Verletzung hat, akribisch am Ball zu bleiben, was Physio und eigenes Training angeht. Auch wenn sich Resultate und Erfolge vielleicht erst viel später zeigen, sie kommen irgendwann. Man kann durch Physio und eigenes Training sehr viel aus einem solchen Bein rausholen. Aber immer sehr langsam vorgehen und sich von nichts und niemanden unter Druck setzen lassen. Als ich mit dem Aqua-Joggen begann, waren es zu Beginn 25 Meter. Das habe ich dann erst mal drei, vier Mal gehalten, und geschaut, wie es das Bein verträgt. Erst dann wieder um ein paar Meter steigern. Vorsicht und Behutsamkeit vor sogenannten Vibrations-Brettern. Die haben es in sich und mir schon nach einer Anwendung eine Sehnenentzündung verschafft, die mich sechs Wochen außer Gefecht gesetzt hat und ein richtiger Rückschlag war. Man darf nicht vergessen, dass bei einer Luxation auch die ganzen Weichteile, Sehnen und Muskeln in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das muss sich alles wieder vernetzen und neu aufbauen.

Im Mai habe ich meine Arbeit wieder aufgenommen. Ich habe ein Homeoffice und kann mir die Zeit zum Glück einteilen. Nach einer Stunde Schreibtischarbeit gehe ich dann für fünf Minuten auf den Ergometer, um mein Bein zu bewegen. Das rostet bei langem Sitzen völlig ein. Ich arbeite aber nicht mehr 8 Stunden, sondern nur noch maximal 5. Mehr geht noch nicht. Auch kann ich keine Messen mehr besuchen, das ist zuviel für mein Bein.

Was machst Du beruflich?
Ich wünsche dir alles Gute, keine Schmerzen, vor allem stabile Nerven und den Glauben und Willen, es möglichst weit mit Deinem Bein zu schaffen. Ich wünsche Dir auch die Akzeptanz, dass es mit einer solch schweren Verletzung leider nicht mehr wie früher wird. Das ist etwas, womit ich hadere und das ich schwer akzeptieren kann...

Liebe Grüße
Cornelia

mtinchen
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von mtinchen »

Hi ihr,
danke für eure antworten. ich bin 36 jahre alt...30j älter hätte ich meinen skiunfall nicht überlebt laut ärzten. man weiss bis heute noch nicht genau, wieso ich dermassen mein bein so zerstört habe. meine prognose wäre, dass ich das knie wieder zu 90 grad beugen könnte und erst in 10-15j dann eine Knieprothese erhalten sollte..obwohl die gefahr eine arthrose zu entwickeln extrem hoch ist.
habt ihr diesen typen gesehen...irre, dass der sich nur 9 knochen gebrochen hat: https://m.bild.de/video/clip/skifahren/ ... l#fromWall

eigentlich stehen keine operationen mehr an bei mir...der arzt sagte mir klar, dass eigentlich nur eine einzige platte entfernt werden könne im ausnahmefall...alle anderen vielen kleinen platten und schräubchen müssen an ort bleiben. zudem brach unter der operation eine schraube gerade am knochen ab, die könne man gar nicht entfernen, ausser man beschädige den knochen wieder.

habt ihr alle eure schrauben-plattensammlungen wieder entfernt? ich habe ca 100gr Material drin mit einem Warenwert von 8000 Euro ca.

Bruchpilot, wie war deine Nachkontrolle? Ich hoffe doch mal alle waren zufrieden.

physiotherapie wurde wg meinem steifen knie aufgestockt auf 3x die Woche zuhause und jeden tag sollte ich so viel wie möglich an die bewegungsmaschine vom knie...

ich war sehr lange geduldig, empfinde aber die zeit nun sehr mühsam, da alles nur mikroschritte sind...beruflich bin ich lehrerin, auch nicht gerade der "beinschonende" job, va mit sportunterricht ;-).... tja...ich wünsche euch allen schöne ostertage!

Bruchpilot
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Re: Tibiakopffraktur und Luxation - so ziemlich alles kaputt

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo,
Ich habe schon in dem anderen Thread etwas zum Thema Reha geschrieben, weil Du da geschildert hast, dass Dein Arzt sich eher gegen eine Reha geäussert hat.
Ich selber halte eine gute Reha (unter möglicher Vollbelastung) für unersetzlich, um wieder auf einen Stand zu kommen, der Dein Bein so gut wie möglich funktionieren lässt. Ich habe das dort auch aus meiner eigenen Erfahrung ausführlich begründet.
Leider wird es mir wohl auch nicht möglich sein, eine Reha an zu treten, obwohl ich sie nach dem Unfall und vier Operationen sicher gut vertragen würde, um die Stabilität meines Beines dann noch zu festigen, wenn es soweit ist. Aber ich habe vier Kinder und mein Mann musste hier im letzten Jahr schon so oft die Stellung halten, dass ich ihm weitere Fehlzeiten in der Arbeit ersparen möchte und drei Wochen Reha sind halt auch nicht mal eben so überbrückt, wenn zuhause Kinder zu versorgen sind.
Für einen Arzt bedeutet so ein Reha-Antrag in erster Linie Aufwand, zu dem leider viele keine Lust haben.
Vielleicht liesst Du in dem anderen Thema nochmal nach:

viewtopic.php?f=2&t=715&start=15

Ich würde an Deiner Stelle auch auf jeden Fall eine Zweitmeinung einholen und wenn nötig auch noch eine dritte.....
Meine Verletzungen waren auch schwerwiegend, laut Operateur hatte ich mein Knie in einen Totalschaden verwandelt mit mehrfach getrümmertem Tibiakopf und Fibulaköpfchen, Peroneusnervverletzung, abgerissenem Seitenband und Kreuzband, Menisken und den inneren Kapselbandapparat gesprengt.
Ich habe mich dann mit einem massiv instabilem Knie und einer gravierenden Fehlstellung nach der ersten Heilung auf die Socken gemacht und das Knie bei insgesamt 4 auf Knie und Knie-TEPs spezialisierten Ärzten vorgestellt, bis ich einen gefunden habe, der mir ein Konzept entwickelt hat, das Gelenk erstmal zu erhalten und es in einen Zustand zu bringen, mit dem ich noch 10 bis 15 Jahre gut laufen können soll.
Ich bin mittlerweile aus der Streckschiene raus, darf bis 60 Grad beugen und habe optisch derzeit ein gerades Bein. Jetzt wird weiter trainiert und wir werden sehen, wie es heilt
Der TEP-Arzt in Hamburg (der mich gleich wieder weiter zu einem rekonstruierenden Kollegen schickte, aber ansonsten echt einen sehr guten Eindruck machte. Wenn ich die TEP später mal brauche, wird das auf jeden Fall ein Arzt sein, bei dem ich mich wieder vorstellen werde), hat mir das Dilemma, in dem ich und ich denke mal auch Du steckst, sehr anschaulich erklärt.
Er sagte mir, die Operateure, die Dich im ersten Schritt nach dem Trauma zusammen flicken, können zunächst nur so weit möglich, Schadensbegrenzung machen. Sie haben die undankbare Aufgabe, das Müsli, welches vorher Dein Knochen war, wieder in fusseliger Kleinarbeit zusammen zu setzen und so weit es geht zu fixieren. Stabile Befestigungen von verletzten Sehnen, Bändern und Muskeln sind da im ersten Schritt teilweise kaum möglich, weil der Knochen halt nur ein Scherbenhaufen ist, der erst wieder zusammen finden muss.
Aber Dein Körper ist ein Wunder und Knochenmaterial ist super. Denn es kann wieder stabil zusammen wachsen, wenn man es nur lässt. Und dann ist im nächsten Schritt plötzlich doch wieder noch einiges mehr möglich und es können Metallplatten wieder raus, obwohl man das beim Zusammensetzen des Müslis nie gedacht hätte, das die raus können oder Strukturen und Bänder können rekonstruiert werden und funktionieren wieder.
Und die Folge-OPs sind dann halt auch oft Eingriffe, mit dem man als Chirurg keinen Blumentopf gewinnen kann, denn im Grunde ist es natürlich auch weiterhin nur rekonstruierende Schadensbegrenzung, die auch aus diversen Umständen heraus nach hinten los gehen kann. Davor scheuen sich viele.....Also muss man den finden, der Lust und die Erfahrung hat, sich damit auseinanders zu setzen und die Herausforderung nicht scheut.
Es wird nicht wie vorher sein, aber oft geht doch noch Einiges, wenn man auf den, in dem Moment richtigen, kreativen Arzt trifft.
Es gibt hier einen Thread von ReisebieneFundi, die ist mit Ende 20 in Vietnam verunfallt mit einem mit Dir vergleichbaren Verletzungsumfang, sie hatte nach den ersten 3 OPs eigentlich keinen geformten Tibiakopf mehr.
Ich habe losen Kontakt zu ihr, weil sie mir mehrere Ärzte empfohlen hat.
Sie hatte fast zwei harte Jahre , aber sie läuft jetzt nach mehreren Operationen wieder auf beiden Füssen und geraden Beinen durchs Leben, ohne TEP und sie kann mittlerweile sogar wieder tanzen, das war ihr grösster Wunsch.
Sie hat sich unzählige Meinungen eingeholt, ihr Knie war abgeschrieben und es war zwischenzeitlich nicht mal klar, wie man ihr überhaupt eine TEP würde einsetzen können in ihr Trümmerknie......
Du kannst ihre ganze Geschichte hier im Forum nachlesen, das für sie grossartige Ende habe ich Dir eben schon verraten :wink: :

viewtopic.php?f=2&t=674&sid=102651d21da ... ee6d516dec

Mach Dich auf, gib Deinem Knie noch eine Chance und gib Dich nicht mit nur einer Meinung zufrieden. Das solltest Du, Dein Körper (denn eine Einschränkung im Knie und selbst eine leichte Fehlstellung belastet den ganzen Körper!) und Dein Knie Dir wert sein.
Ich wünsche Dir einen sonnigen Tag,
Bruchpilot
Wenn Du fliegen willst, mußt Du das loslassen, was Dich runter zieht!

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