Flugversuch gescheitert!

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

Bruchpilot
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Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo zusammen,
es ist ja sehr ruhig hier, aber auch das Stöbern in den alten Beiträgen hat mir schon oft weiter geholfen, dunkle Momente durch zu stehen.
Euch allen vielen Dank für dieses infomative Forum zum Thema Tibiakopf/Knie.
Jetzt will ich mich selber und meine Geschichte auch vorstellen und hoffe, es liest her überhaupt einer und könnte mir auch noch die eine oder andere Frage aus seiner persönlichen Erfahrung beantworten.
Am 14. April bin ich bei einer Haus- und Hofbesichtigung durch einen morschen Heuboden gebrochen und 5m in die Tiefe gestürzt.
Mein Flugversuch ist brutal gescheitert, wobei ich wohl trotz allem sehr viel Glück im Unglück hatte.
Ich bin auf dem gestreckten linken Bein aufgekommen und dann auf die rechte Seite gefallen. Dabei habe ich aus meinem linken Knie laut dem später operierenden Oberarzt einen Totalschaden gemacht.

Das Gesamtergebnis war ein Polytrauma mit
- 5-facher Rippenserienfraktur rechts
- Lendenwirbelfraktur LWK 4
- Laterale Mehrfachfragmentfraktur im Gelenkbereich Tibia proximal links mit knöchernem Abriss des hinteren Kreuzbandes, der Seitenbänder und dem vollständigen Abriss des Kapselbandapparates
- Fibulaköpfchenfraktur links

Der gescheiterte Veruch zu fliegen bescherte mir dann einen realen Flug im Rettungshubschrauber, den ich aber dank der medikamentösen Komaschelle des Notarztes nur sehr nebulös in Erinnerung habe.
Der nette Arzt in der Notaufnahme beim Aufwachen teilte mir dann mit, dass dieser 14. April der Tag gewesen sei, an dem ich mal so richtig viel Glück gehabt hätte. :shock:
Nun, ich lebe noch und sitze nicht querschnittsgelähmt im Rolli und mir sind auch so einige andere mögliche Komplikationen erspart geblieben, von daher stimmt es wohl sogar.
Trotzdem war diese ganze Sache für mich eine ziemlich blöde Nummer und ich habe mittlerweile auch begriffen, dass das wohl kein einfacher Beinbruch ist, und mich noch eine ganze Weile begleiten wird. :(
Unser Haushalt liegt brach, ich habe vier kleine Kinder, meine KK wird meine derzeit genehmigte Haushaltshilfe eventuell nicht mehr verlängern....Der Unfall zieht viele offene Versicherungs- und Haftungsfragen nach sich, die wohl noch lange nicht geklärt sind und da der Unfallort einem Mitglied unserer Familie gehört, dass sich im Anschluss daran jetzt von jeglicher Verantwortung, Interesse und Mitgefühl frei macht, schlummert da noch eine grosse Menge Ärger drin.
Trotz viel Glück also auch ganz viele Sorgen!

Am 18. April bin ich operiert und mein Knie ist mit einer winkelstabilen Platte und mehreren Schrauben wieder zusammengepuzzelt worden. Der Kapselbandapparat wurde rekonstruiert und das Kreuz- und Seitenbänder wieder befestigt. Dabei kam wohl noch einiges aus dem chirugischen Metallbaukasten zum Einsatz und der Operateur hatte vier Stunden lang Schweiss auf der Stirn.

Und nun? :?:
Heute ist Woche 8 nach OP, ich laufe immer noch ohne Belastung und das noch mindestens weitere 14 Tage.
Mein linker Fuß ist nach wie vor taub und fühlt sich immer sehr eingeschlafen und kribbelig an, ebenso mein linker Oberschenkel. Mit dem Fuss in einen Schuh steigen ist sehr unangenehm und ich habe auch nicht den vollen Bewegungsumfang und Kraft in dem Fuss. Vermutet wird eine Verletzung des Nervs, der über das Wadenbeinköfpchen läuft, das bei mir ja auch mehrfach gebróchen war.
Die starken Schwellungen sind dank massgefertigter Kompressionsstrümpfe sehr zurück gegangen, aber die davon erhoffte Wiederbelebung des Fusses hat das leider nicht gebracht.
Ich bin mittlerweile einigermassen sicher auf meinen Gehstützen unterwegs, in den ersten Wochen kam ich gar nicht gut zurecht, weil vor allem die gebrochenen Rippen im Zusammenhang mit den Gehstützen vor Entsetzen schmerzhaft protestierten. Das zumindest ist schon sehr viel besser geworden. Ich darf mittlerweile auch etwas mehr sitzen, anfangs ging das auch nicht wegen meines Wirbels, dessen Fraktur aber GottseiDank stabil war und nicht operiert werden musste.
Seit letzter Woche darf ich ohne Gewicht nur mit Bodenkontakt abrollen und dabei fiel dann auf, dass das gesamte Kniegelenk aus der Achse läuft, was wohl laut KG auch auf dem letzten Kontrollröntgenbild von vor 14 Tagen deutlich sichtbar ist. Die Röntgenbilder direkt nach der OP konnte ich noch nicht einsehen.
Ich habe jetzt ein deutliches O-Bein, der Gelenkspalt an der Innenseite ist normal breit, an der Aussenseite klafft er weit auseinander. Setze ich den Fuss auf, bricht das Kniegelenk nach aussen weg, ein Anwinkeln und Abrollen ist nur möglich, wenn sich das Gelenk nach aussen dreht, ansonsten fühlt es sich an, wie ein verkantetes Klavierband und ich kann dann nicht richtig anwinkeln. Meine Orthese mildert das etwas ab, ganz stabilisieren läßt sich das nicht und ohne Orthese wird allein das Aufsetzen des Fusses ohne Gewicht ganz gruselig, weil das Bein dann allein vom Aufsetzen völlig verdreht und nach aussen gebogen ist.
Und nun meine Fragen an die alten Hasen hier mit verheilten Brüchen:
Hat einer von Euch Erfahrung mit derart schiefen Kniestellungen nach Euren Brüchen?
Wie ist das mit der Taubheit im Fuss? Kennt das einer von Euch und bildet sich das auch wieder zurück?
So, jetzt ist das ganz schön lang geworden und ich muss mich erstmal wieder in eine Rücken schonende Position bringen.
Ich freu mich, über Antworten und hoffentlich einen Austausch hier. Vielleicht seid Ihr ja noch nicht alle abgetaucht.
Herzliche Grüsse und viel Sonne,
Bruchpilot
Zuletzt geändert von Bruchpilot am Mo Apr 29, 2019 3:18 pm, insgesamt 5-mal geändert.
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Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo zusammen,
Ich habe mittlerweile alle postoperativen Röntgenbilder hier und konnte sie mir auch selber mal ansehen. Die Bilder vom Unfalltag habe ich noch nicht gesehen.
Die unterschiedlich breiten Gelenkspalten innen und aussen waren auch auf dem ersten Bild nach der OP schon sichtbar, jedoch noch nicht ganz so ausgeprägt wie auf dem neueren Bild.
Das Röntgenbild vor 14 Tagen wurde aus einem etwas anderen Winkel gemacht, von daher ist es für einen Laien wie mich auch nur schwer vergleichbar. Allerdings ist auf dem neuen Bild deutlich eine Absackung des oberen keilförmigen Fragmentes sichtbar, durch das auch eine der Schrauben geht. Dadurch ist jetzt oben auf der Gelenkfläche eine Stufe entstanden.
Das Bein ist in der gesamten Achse verdreht und ich kann auch nur verdreht abrollen (Knie dreht zur Seite/aussen weg, Fussspitze ist nach innen rotiert) Diese Fehlstellung lässt sich auch beim Laufen und Stehen nicht bewusst korrigieren.
Beim Sitzen stelle ich den Fuss leicht nach innen ausgerichtet, kann das dann zwar korrigieren, wenn es mir bewusst auffällt, aber die automatische Fussposition ist auch immer entsprechend dem nach aussen gewölbten Kniegelenk verdreht.

Ich habe übernächste Woche einen Termin in der Ambulanz des Krankenhauses in dem ich operiert worden bin. Danach bei einem neuen Orthopäden, weil mein derzeitig zuständiger Chirurg Ende Juni in Ruhestand geht.
Ich bin gespannt, was da noch raus kommt.
Ich würde derzeit gerne den Notausgang benutzen, aber ich habe bisher die Tür noch nicht gefunden..... :cry:
Zuletzt geändert von Bruchpilot am Di Jun 19, 2018 9:38 am, insgesamt 1-mal geändert.
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Kersti
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Kersti »

Liebe Bruchpilot,
leider kann ich dir nicht mit Erfahrungen mit solch einer schweren Verletzung wie der deinen dienen, ich wollte dir aber in jedem Fall mein Mitgefühl ausdrücken! Was für ein Albtraum, was dir da passiert ist.

Ich selbst habe mir auch einen Tibiakopfbruch zugezogen, der am 27.4. operiert wurde. Ich bin einfach so, ohne Anlass, aus dem Gehen heraus umgeknickt und auf Knie gefallen. Es ist ein Spaltbruch, der mit Platte und 4 Schrauben versorgt wurde. Außerdem musste das abgesackte Kniegelenk mit Fremdknochen unterfüttert werden. Also, mir hat das auch schon gereicht und war/ist mit einigen Ängsten und Schmerzen verbunden. Aber wenn ich deine Geschichte lese, habe ich ja wohl noch "Glück" gehabt. Mein Verlauf ist soweit gut, 1 Woche noch bis zum Röntgen. Wenn dann alles fein ist, darf ich wohl wieder belasten.
Es ist wirklich schade, dass hier nur noch so wenig los ist. Es ist eben schwierig, jemanden in seinem Umfeld zu finden, mit dem man sich richtig über diese Verletzung austauschen kann und man hat sooo viele Fragen. Das Lesen der alten Beiträge hilft ja schon ein wenig, auch bei den Durchhängern, die ich auch kenne. Aber für dich wäre es schön wenn noch jemand mit mehr Erfahrung antwortet. Vielleicht kommt ja noch was.

Tja, auch wenn es dir nicht so furchtbar viel hilft wollte ich dir einfach sagen, dass ich deine Geschichte gelesen habe und dir ganz viel Kraft für alles Wünsche, was noch auf dich zukommt. Hoffentlich ist der Termin in der übernächsten Woche für dich positiv. Ich drück dir die Daumen! Wenn du magst, berichte doch bitte weiter.

Liebe Grüße, Kersti

Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo Kersti,
Vielen Dank für Deine Rückmeldung und auch für Dich und Deinen Verlauf weiterhin alles Gute.
War denn das Röntgenbild ok, so dass Du jetzt belasten kannst?

Ich hatte heute meinen Termin bei der chirugischen Ambulanz in der Klinik in der ich operiert worden bin.
Der Doktor dort war sehr beeindruckt vom Ausmaß meiner Verletzung und betonte mehrmals, dass ich mir da wohl eine recht komplexe Verletzung zugezogen hätte.
Er hatte den OP-Bericht da, der alle Details enthielt im Gegensatz zu dem recht kurz gefassten Entlassungsbrief, der mir vorliegt.
Seiner Ansicht nach ist die Instabilität im Gelenk weder knöchern noch in erster Linie muskulär begründet, sondern kommt vor allem durch die Instabilität der diversen Bänder und Sehnen und des Kapselbandapparates, die allesamt gerissen, abgerissen und verletzt waren.
Die Stufe in der Gelenkfläche war für ihn zu tolerieren, da sie nicht im Hauptbelastungsbereich läge.
Eine Arthrose lag in dem Kniegelenk (und vermutlich auch in meinem anderen Kniegelenk) bereits vor dem Unfall vor. Ich habe korrigierte X-Beine nach Umstellungsosteotomie im Bereich des Oberschenkels vor 30 Jahren.
Der Doktor hat mir heute ohne ein neues Röntgenbild die Freigabe zur langsamen Auflastung gegeben, damit ich auch wieder anfangen kann, die entschwundene Muskulatur auf zu bauen, in der Hoffnung, dass diese dann den neu geordneten Bandsalat in meinem Knie mit unterstützt.
Ich soll dabei allerdings zunächst nie ohne Orthese vorgehen, damit das Kniegelenk zusätzlich von aussen stabilisiert wird. In spätestens drei bis vier Wochen soll ich so die Vollbelastung erreichen und dann entsprechend weiter trainieren. Spannende Sache!
In 10 bis 12 Wochen soll dann wieder eine Kontrolle sein. Bis dahin soll das Gelenk nach Möglichkeit so stabil sein, dass sich die Rotation nach aussen und das Abknicken deutlich verbessert hat. Ansonsten müsse man über eine weitere OP zur Straffung der Bänder nachdenken. Dafür war es ihm aber heute eindeutig zu früh.
Den tauben und kraftlosen Fuss soll sich mein Neurologe näher ansehen. Dort habe ich aber leider erst im August einen Termin.
Jetzt muss ich meinen Kopf dazu bringen, mehr Belastung auf mein Bein zu zu lassen.
Das finde ich nämlich gar nicht so einfach.
Vielleicht mag ja mal jemand Tipps dazu geben. Nach wie vor fände ich ein bisschen Austausch mit alten Hasen sehr interessant.
Ich selber kann mich nicht mal dran erinnern, wie ich das damals nach meinen Umstellungsosteotomien mit der Aufbelastung gemacht habe....Das ist ja ewig her!
Morgen gehe ich erstmal zum Sanitätsladen die Orthese prüfen lassen, weil die durch den ganzen Muskelabbau nämlich mittlerweile gar nicht mehr vernünftig sitzt und ständig rutscht.
Rehaantrag liegt auch hier fertig ausgefüllt rum. Reha soll aber erst statt finden, wenn ich in der Lage bin, die Vollbelastung auch an zu wenden.
Ich melde mich zwischenduch wieder und berichte von meinen Erfolgen oder Misserfolgen.
Bis dahin alles Gute für alle Mitstreiter hier vom
Bruchpiloten
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Ursel
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Ursel »

Hallo Bruchpilot
Ich bin einer der "Alten Hasen" die hier noch ab und zu aktiv ist.Ich finde es auch schade,das sich keiner der anderen noch mal meldet.Aber vielleicht sind sie Gott sei Dank wieder soweit hergestellt das sie wieder arbeiten und keine Zeit mehr haben.Ich bin seit längerem Rentner und habe auch Zeit.Du hattest vor Jahren eine Umstellung?dann währen die Beiträge von Marion interessant.Ich hatte nach meinem ersten Bruch auch eine XBein Stellung die wurde dann später als ich ein Knietape bekam mit korigiert.Eine Fußheberschwäche hatte ich auch bei dem ersten Bruch.Mit viel üben bin ich so weit,das ich wenigstens den Fuß in die 90Grad Stellung bekomme aber zum richtigen Abrollen ist das nicht genug. Wenn du Übungen für zu Haus brauchst geh auf die Seite Übungen. Eine Reha ist wirklich erst von Nutzen,wenn eine Vollbelastung erlaubt wird.Ich habe eine Stationäre und auch eine Ambulante ausprobiert,würde aber immer eine Stationäre vorziehen wenn es Familier machbar ist.Deine Verletzungen sind ja enorm das wird auch noch lange dauern,Wie wir hier immer wieder sagen viel Geduld ist gefragt,aber auch Eigeninitiative,viel mir in meinem Alter,als alles anfing war ich 60 Jahre, nich immer leicht.
Viele liebe Grüße sendet Dir Ursel
2005 laterale Tibiakopffraktur mit Platte 5 Schrauben,Spangioseplastik,Peronäusparese.
2007 Metallentf.
2010 Knie Tep mit gleichzeitiger X-Bein Umst.
2011 Hüft Tep
2012 Suprakondyläre Oberschenkelfrak. mit Platte und 11 Schrauben
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Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo Ursel,
Vielen Dank für Deine Antwort.
Ja, ich hatte Umstellungsosteotomien an beiden Kniegelenken und ich habe Marions Beiträge bereits mit grossem Interesse gelesen.
Die erste OP hatte ich im Alter von etwa 12 Jahren, das muss so 1985 gewesen sein. Die Prognose war ansonsten noch zehn Jahre für meine Gelenke und dann Ende mit fröhlichem unbeschwertem Laufen. Also wurde zunächst versucht, an beiden Knien innen meine Wachstumsfugen mit Blount-Klammern zu verschliessen in der Hoffnung, dass ich noch wachse und die Beine dann nur noch aussen wachsen und so hübsch gerade werden. Das hat aber leider nicht funktioniert, weil ich schon recht gross war und dann nicht mehr ausreichend gewachsen bin.
Also kam Versuch Nummer zwei, diesmal nacheinander oberhalb von jedem Kniegelenk den Oberschenkelknochen durch zu sägen, einen Keil raus gesägt und dann mit Winkelplatten und Schrauben wieder fixiert. Nach jeder OP ging ich 3 - 4 Monate an Krücken. Etwa 1,5 Jahre nach der zweiten Umstellung folgte dann noch die Metallentfernung und damit war das Kapitel für mich eigentlich weitgehend abgeschlossen und ich hatte GottseiDank wenig Probleme, bzw. habe mich auch mit einigen Einschränkungen arrangiert. Die Knie waren nicht neuwertig, ich hatte ja vor den OPs schon eine Arthrose, sie mochten keinen langen Kniestand und gingen nicht gerne tief in die Hocke und manchmal zwickte und zwackte es hier und dort, aber eigentlich war es ok.
Kein Vergleich mit Marions Problemen, auch bisher keine Nervenschädigung o.Ä. Wobei die Umstellung halt oberhalb des Gelenks gemacht wurde......
Ich musste ja bei Marions Geschichte oft schlucken, habe damals ganz in der Nähe ihres heutigen Wohnortes gelebt und wurde in Düsseldorf operiert. Und ich spiele auch Trompete! Habe auch jetzt gleich nach meinem Unfall wieder angefangen zu blasen als Atemtherapie für meine gebrochenen Rippen! Als die KG im Krankenhaus mit so einem Pusterohr aus Plastik ankamen, habe ich mich sehr amüsiert. Mit so einem Ding kann man keine Atemtherapie machen wenn man Trompete spielt.
Also habe ich nach meiner Entlassung zuhause in meinem elektrisch verstellbaren Bett gehangen und Choräle geblasen, um meine Rippen wieder zu stärken! :D
Heute habe ich mit meiner KG Gewicht aufs Bein und den tauben Fuss gebracht und bin anschliessend mit meinem Zwerg noch mit etwa 40 bis 50 kg Belastung bis zur Eisdiele geschlichen und wieder zurück, was insgesamt etwa 1 km sind.
Jetzt bin ich fix und fertig und schreibe hier im Liegen mit hoch gelegtem Bein und einem sehr beleidigtem Fuss. Dieses taube Kribbeln macht mich wahnsinnig und gleichzeitig das Gefühl, dass mein Fuss und ich nicht richtig miteinander kommunizieren können. Ich kann mit dem Fuss auch keinen Takt mehr klopfen, er lässt sich einfach nicht hoch ziehen. Blöd fürs Zählen beim Trompete spielen..... :?
Aber das Belohnungseis war lecker. :lol:
Vollbelastung ist für mich frei gegeben, ich soll mit zwingend geschientem Bein Muskeln aufbauen, von daher werde ich den Reha-Antrag jetzt auch stellen. Ich habe aber mit der KK schon besprochen, dass ich vor Mitte August noch nicht rehafähig bin und dass auch die Schule und der Kindergarten erst wieder los gegangen sein muss, damit meine Kinder in der Zeit auch beschäftigt sind.
Ich halte Euch auf dem Laufenden.
Wenn auch die Antworten spärlich sind, kann es ja doch sein, dass jemand Infos und Mut oder Trost aus meinen Beiträgen zieht. Und dann hat mein Geschreibsel ja auch schon Sinn gemacht.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag und viel Sonne,
Bruchpilot
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Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo zusammen,
Der MDK hat mir jetzt meine Haushaltshilfe gestrichen.
Ich darf theoretisch jetzt belasten, also sieht man dort ab kommenden Montag auch kein Problem darin, einen 6-Personenhaushalt mit vier Kindern unter 10 allein zu wuppen :shock:
Mein Mann will in den Widerspruch gehen, ich selber kann das nicht. Mir mangelt es momentan an Kraft, Energie und Nerven für so einen Wiederspruch
Er hat nächste Woche Urlaub, das ist für mich jetzt meine Trainingszeit.
Bis zum Ende seines Urlaubs muss ich das hier mit kreativen Hilfsmitteln, Üben und Bein trainieren alleine packen.
Kurze Strecken bis 3 m im Haus gehe ich seit heute vormittag ohne Stützen. Nachdem die KK angerufen hat, war ich so wütend, dass ich die Teile stehen gelassen und stützenlos Laufen geübt habe. Ist noch sehr unsicher und wackelig mit meinem instabilen Knie, aber das wird hoffentlich noch besser.
Morgen lerne ich meinen neuen Orthopäden kennen und hoffe, dass ich ihn zu einer Verordnung über Reha-Sport überreden kann.
Ich soll draussen im Vier-Punkt-Gang gehen, muss aber sehr aufpassen in welchen Winkel mein Gelenk gerät.
Wenn der nicht passt, tut's höllisch weh und ich spüre es regelrecht knirschen! Loslaufen ist auch noch schwierig, die ersten beiden Schritte muss ich sehr vorsichtig sein.
Und mein Fuss ist nach wie vor blöd. Abrollen geht nicht gut, er patscht immer unmotiviert auf den Untergrund.
So habe ich noch 1,5 Wochen und dann funktioniert alles wieder wie sonst, so denkt zumindest der MDK nach Aktenlage.
Ich habe dann seit der OP 12 Wochen rum und wuppe dann meinen Haushalt mit meinen vier Kindern und Mann, der täglich 11 Stunden aus dem Haus ist, alleine.....
Ist das wirklich realistisch und zu schaffen?

Euch alles Gute,
Bruchpilot
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Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

So, heute war Termin beim neuen Orthopäden.
Der hat mich erstmal etwas zurück gepfiffen, für Vollbelastung ist es ihm definitiv zu früh.
Gesteigerte Teilbelastung mit mässiger Steigerung findet er ok und Reha-Sport werden wir auch beantragen. KG wird auf jeden Fall weiter laufen.
Morgen wird ein neues Röntgenbild gemacht, er findet die Stufe auf dem Gelenkplateau nicht so unerheblich wie der Chirurg in der letzten Woche und prognostizierte mir mit grosser Wahrscheinlichkeit demnächst eine Arthrose in dem Bereich..... :(
Das Knie sieht er als sehr instabil und im Bereich des Fibulaköpfchens auch als sehr schmerzempfindlich an, meine Orthese wird mir wohl noch eine ganze Weile erhalten bleiben.
Darüber hinaus gabs eine Verordnung für eine leichte Fussheberunterstützungsbandage, damit ich draussen ohne Gefahr des Hängenbleibens laufen kann.
Meine Naht ist an einer Stelle immer noch nicht gut geschlossen, das muss auch noch weiter behandelt werden.
Und er wird in Bezug auf den momentanen Zustand und nach Durchsicht des Röntgenbildes eine Fortführung meiner Haushaltshilfe empfehlen, weil doch noch einige Baustellen da sind.
Morgen gehts zum Röntgen, ich bin gespannt, ob sich die Stufe noch vergrössert hat.
Die Verordnung für die Bandage für den Fuss habe ich gerade zum Sanitätshaus gebracht.
Es bleibt spannend!
Euch einen schönen entspannten Tag,
Bruchpilot
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Saskia
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Saskia »

Hey Bruchpilot,
das ist ja der Wahnsinn mit der Haushaltshilfe. Davon kann ich auch ein Lied singen.
Man darf wirklich nicht ernsthaft krank werden oder auf Hilfe angewiesen sein.
Kann echt verstehen das man irgendwann resigniert aber pass auf das du nicht noch was kaputt machst was grad am heilen ist.
Ich hoffe die genehmigen euch die Hilfe wieder. Aber wie ich zu Anfangs schon mal schrieb. Die denken: ach so'n Bruch, wie lange kann das schon dauern. Bei Vollbelastung kann man doch wieder alles machen. Das man aber keine Muskeln mehr hat und sich nach so langer Zeit auch nicht sofort traut ohne Krücken das versteht kein Mensch, wenn mans nicht selbst erlebt hat.
Sogar mein Freund fragt sich immer was ich für Sachen veranstalte. Der denkt ich müsste doch einfach so jetzt wieder gehen können...

3m ohne Krücken ist aber auch schon krass, ich schaff nicht mal nen halben :D

Mein Orthopäde meinte vorhin ich soll jetzt wirklich die Krücken bei Seite stellen. Aber das meinem Kopf so klar zu machen ist nicht einfach!
Es ist alles wackelig und unsicher...

Ich drück die Daumen wegen der Haushaltshilfe und wünsch dir ein schönes erholsames Wochenende!

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Ursel
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Ursel »

Hallo Bruchpilot
Meine Hilfe für die Fußheberschwäche sieht so aus https://www.sporlastic.de/produkt/artik ... n-comfort/ einfach als Einlage in den Schuh legen.
Soll ich aber nicht immer tragen ,nur wenn ich vor habe längere Strecken zu laufen,denn der Fuß sol schon nicht vergessen das er sich auch selbst noch bewegen soll.Ein guter Orthobäde ist schon wichtig,er muß sich mit diesen Verletzungen schon gut auskennen.
Ein schönes Wochenende wünscht dir Ursel
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Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo zusammen,
Ich soll für den Fuss nur so eine Bandage bekommen, die um den Knöchel geklettet wird und dann am Schuh oben, z.B. an den Schnürsenkeln befestigt wird (Foot-up). Soll auch nur für längere Wegstrecken draussen angewendet werden, eben um den Fuss auch trotz allem am Arbeiten zu halten. :)

Nun Neues von mir.
Ich war heute wieder bei dem Orthopäden mit frischem Röntgenbild, welches diesmal im Stehen unter Teilbelastung gemacht wurde und meine Fehlstellung (grosser weit geöffneter Gelenkspalt aussen und innen sitzen die Knorpelränder aufeinander und eine Arthrose ist schon recht deutlich zu sehen) und auch die mehrfache Stufenbildung recht schonungslos zeigt. :?
Der Orthopäde war sehr direkt und unverblümt.
Er sieht in der Situation eine eindeutige Indikation für eine TEP, so kann ich seiner Ansicht nach nicht auf Dauer weiter laufen :shock: .
Zur Zeit wird der Innenminiskus gequetscht, ich gehe auf dem bereits geschädigtem Knorpel und die Aussenbänder werden überdehnt, dafür wird der Bereich mit der Stufenbildung momentan wenig belastet, ich werde aber über kurz oder lang in dieser Stellung innen mein Gelenk schrotten, wobei die Orthese zur Zeit etwas abmildernd wirkt und das Ganze stabilisiert.
Würde man das Gelenk gerade stellen, um den Innenbereich zu entlasten, wird das seiner Ansicht nach innerhalb kürzester Zeit eine zusätzliche Arthrose im Bereich der Stufe im äusseren Bereich zur Folge haben. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wobei der Zeitraum seiner Ansicht nach sehr absehbar ist.
Ich darf jetzt alles machen mit dem Knie, voll belasten, jedoch nichts ohne Orthese, um ein Abknicken des instabilen Gelenks zu verhindern. Aber im Grunde kann ich nicht mehr viel kaputt machen! :( Da ich die komplette Streckung bisher nicht erreiche, kriege ich recht schnell vom freien Stehen und dem humpelnden Gang Rückenschmerzen. So wechsle ich jetzt im Haus ab mit und ohne Stützen zu gehen, draussen gehe ich derzeit noch mit Stützen und viel Konzentration aufs Anwinkeln und Abrollen, um innen den Schmerz bei falscher Bewegung zu vermeiden.
Ich habe eine Verordnung für Rehalsport, KG läuft weiter und er empfahl mir in jedem Fall das Einholen von weiteren Meinungen dazu.
Die werde ich mir jetzt holen und das ganze erstmal sacken lassen.
Morgen werde ich mich ans Telefon klemmen und mir Termine holen.....
Wo? Hannover oder Hamburg zunächst, wäre beides für mich vertretbar von der Entfernung von jeweils 150 Kilometern.
Von Professor Lobbenhoffer habe ich hier ja schon eine Menge gelesen, dort werde ich mal versuchen, einen Termin zu bekommen.
Ich melde mich die Tage wieder.
Euch einen schönen Abend,
Bruchpilot
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Ursel
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Ursel »

Hallo Bruchpilot
( die um den Knöchel geklettet wird und dann am Schuh oben, z.B. an den Schnürsenkeln befestigt wird)

Hast du dir meine angesehen,finde ich besser ,da man sie in allen Schuhen tragen kann.Das mit der Arthrose und Tep hatte ich auch.Ist dann bei mir in einer OP gemacht worden(begradigen und Tep) Wenn du die Möglichkeit hast für eine zweite Meinung ist wohl sinnvoll.Wir haben hier wohl einige die in Hannover waren.Mann muß sich schon kümmern, nur einfacher gesagt als getan ,wenn man sich nicht gut fühlt.Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Suche.

Liebe Grüße Ursel
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Labradora
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Labradora »

Puaaah ... was für ein Bescheid ... da wünsche ich dir eine gute Arztwahl und weiterhin viel Durchhaltewillen!
Wie steht es eigentlich mit deinen weiteren Verletzungen? Merkst du noch etwas davon?

Bruchpilot
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Bruchpilot »

Hallo,
Ich habe jetzt im September einen Termin beim Team Lobenhoffer in Hannover.
Ich bin gespannt, wie die Sache dort eingeschätzt wird.
Heute habe ich den OP-Bericht aus der Klinik bekommen.
War ja doch noch ganz schön viel kaputt, was im Entlassungsbrief gar nicht erwähnt wurde. Luxationsfraktur Typ Moore III. Der äussere Meniskus war auch noch ausgerissen und einige Fragmente von der Knorpelfläche waren nicht mehr zu replazieren und sind komplett entfernt worden. Der Peroneusnerv war eingeblutet, gequetscht und gedehnt. Der innere Kapselbandapparat war sehr zerstört, darüber hinaus zwei Muskeln funktionel komplett verloren und nicht rekonstruierbar (unter anderem einer, der an der Zehenbewegung Richtung Fusssohle beteiligt ist. Ich dachte bisher, dass das auch von der Nervenschädigung kommt, dass ich meine Zehen nicht mehr krallen kann....) und laut OP-Bericht war das Erreichen der Gelenkfunktionalität schon während der OP in Frage gestellt...... :(

Meine anderen Verletzungen sind wohl grösstenteils verheilt. Meine Rippen fühle ich noch beim Niesen oder Husten und mein Rücken meldet sich jetzt immer wieder wegen des Schiefstandes weil ich im Knie keine vollständige Streckung habe.
Die grosse Baustelle ist und bleibt mein Knie.
Ich bleibe dran und mag mein eigenes Gelenk noch nicht aufgeben......
Bis die Tage und allen derzeit Kniegeplagten alles Gute fürs Gelenk!
Bruchpilot
Zuletzt geändert von Bruchpilot am So Jul 22, 2018 6:07 pm, insgesamt 2-mal geändert.
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Labradora
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Re: Flugversuch gescheitert!

Beitrag von Labradora »

Wenigstens kann man sich jetzt nur auf die Behandlung und Genesung des Knies fokussieren.

Ich hoffe und wünsche dir, dass deine vier kleinen Kinder sich an die Situation anpassen und geniessen, dass sie dich ganz viel zuhause haben können. Das ist ja viel wert, wenn die Mama anwesend ist!

Ich drück dir die Daumen, dass es stetig aufwärtsgeht mit deinem Knie!

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