Neues, kaputtes "Kopferl"

Geschichten und Meinungen rund um Beinbrüche und Knieprobleme

Moderator: Andi Jacomet

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Schneeflockerl
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Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Schneeflockerl »

Hallo miteinander,

als ich in dieses Forum gestolpert bin, war ich soo erleichtert, weil ich erkannte, dass nach meiner Vollbremsung im Leben viele Sachen eh "normal" sind.
Achso, kurze Vorstellung: nach gut 53 Jahren fast unfallfreien Schifahrens hatte ich heuer genau eine Woche vorm Karfreitag genau den gleichen Unfall, wie Andi ihn in seinem Bericht beschreibt. Nur spiegelverkehrt, mein rechtes Bein wollte woanders hin als mein Restkörper (inkl. Kommandozentrale).
Nach der Diagnose Schienbeinkopftrümmerbruch mit Beteiligung des Wadenbeinköpfchens folgten Fixateur externe und einige Tage später die Operation mit Einbringen von 2 Platten und zahlreichen Schrauben. Ich bin noch in der Vollentlastung, nur Sohlenkontakt erlaubt, Beugung bis 60° erlaubt. Gottseidank waren weder Peronäus noch Kompartment noch Durchblutung ein Thema.
Ich habe inzwischen gelernt, dass der Heilungsprozess ein langer sein wird, aber Eure Berichte von Outdooraktivitäten inklusive Schifahren nach solch einer Verletzung geben mir wirklich Mut. Danke dafür!!! :D
Nach dem Unfall habe ich erfahren, dass Annemarie Moser-Pröll, die Schiheldin meiner Kindheit, zwei Tage vor mir auch einen Scheinbeinkopfbruch beim Schifahren erlitten hat. :?

Da in dem Forum einige Menschen posten, deren Verletzung schon länger her bzw. abgeheilt ist, möchte ich gerne an die "Erfahrenen" ein paar Fragen stellen, die offenbar nur jemand beantworten kann, der sowas mitgemacht hat. (Vom Doc kommen eher schwammige Antworten)
.) Ist es normal, dass die Haut des verletzten Beins beim Runterhängen dunkler wird und so ins lilafarbene tendiert?
.) Hat jemand Erfahrung mit Sensibilitätsstörungen? Vor allem im Bereich der Innenseiten-narbe spüre ich nichts bei Berührung, dafür feuern die Nerven immer wieder so blitzlichtgewitterartig. Dies tut umso mehr weh. Wird das besser? In welchem Zeitraum ist das zu erwarten?
.)Diese Schmerzen machen auch das Tragen der Don Joy-Schiene echt mühsam, weil schmerzhaft. Wisst Ihr was von Nachteilen, wenn ich die Schiene eher selten umschnalle?
.)Wie lange habt Ihr Schmerzmedikamente gebraucht? Ich weiß, das ist sehr individuell, mir kommen die 6 Wochen halt schon lange vor. Aber es geht halt noch nicht ohne.
Es würde mich freuen, falls mir jemand ein bißchen weiterhelfen kann, schon einmal danke dafür.
Grüße aus Österreich vom Schneeflockerl

ikki
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von ikki »

Hey Schneeflockerl,

oh je. Gute Besserung!

Zu deinen Fragen, schwierig zu beantworten. Ich würde im Zweifel immer den Arzt fragen, auch einmal mehr auf einen Termin bestehen!

Das Blauwerden hatte ich auch. Ich hatte es recht lange nach beiden OPs. Verdacht auf ein beschädigtes grösseres Gefäss bestand... bis ich aber einen Termin zur Abklärung hatte ein halbes Jahr nach der 2. OP war es dann weg...

Sensibilitätsstörungen gehören wohl dazu, an den Narben werden Hautnerven durchtrennt. Und wenn da grössere Nerven wieder zusammenfinden gibts diese Blitze (sagt mein Physio...) kam bei mir allerdings erst so nach nem Jahr...

Schiene. Ich würde sie wirklich tragen. V.a. wegen der Bewegungseinschränkung die du ja wahrscheinlich einhalten musst? Ich fand die auch sehr mühsam (sie lag genau über einer Narbe...)

Schmerzmedis habe ich persönlich nicht lange gebraucht nach den OPs... dafür bis heute immer wieder mal...

LG und ich drücke die Daumen!
ikki

Schneeflockerl
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Schneeflockerl »

Hallo, ikki!
Danke fürs Teilen Deiner Erfahrungen! :)
Ich hatte vorgestern ärztliche Kontrolle; dabei habe ich erfahren, dass ich - offenbar gehört das dazu - eine Bakerzyste habe. Die Verfärbung des Beins beim Einschalten der Schwerkraft könnte natürlich auch damit zu tun haben, weil ja da die Blutgefässe unmittelbar daneben liegen.
Wegen der Schiene habe ich dann auch gefragt - ich soll sie möglichst viel tragen, und zwar beim Gehen, weil sie da einen Schutz gegen Verdrehungen darstelle. Beim Extremcouching und Powerfernsehen kann ich sie runtergeben.
Und (m)ein Erfolgserlebnis schreibe ich auch, auch als Motivation für alle, die mitlesen: ich habe durch viel üben wirklich das streckdefizit deutlich verringern können, und das innerhalb einer knappen Woche! :D
Ich darf ab sofort teilbelasten, das hilft Flockerls Seele und Aktionsradius enorm. Ich muss allerdings aufpassen, nicht zu viel zu machen, weil die Schwellung gleich wieder zunimmt.
Liebe Grüße,
Schneeflockerl

Smiley
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Smiley »

Hallo Schneeflockerl!
Ich bin auch aus Österreich und habe mich damals (Februar 2020) auch beim Skifahren verletzt. Bei mir war es ein knöcherner Kreuzbandausriss, desweiteren hatte ich ein ausgeprägtes Knochenmarksödem, eine Meniskusruptur, sowie ein deutlich ausgedünntes Kreuzband. Es konnte jedoch konservativ mit mehrwöchigen Gipsverband über das gesamte Bein behandelt werden. Ich hatte nach Gipsabnahme 3-4 Monate lang starke Bewegungseinschränkungen und war sehr lange mit Krücken unterwegs.
Und auch bei meiner viel leichteren Verletzung, als bei Dir war ich ganz blau, was ich jedoch hauptsächlich nur beim Gipswechsel gesehen habe...

Bei einer OP-Narbe an einer anderen Stelle (nicht beim Knie) bemerke ich nach vielen Jahren noch immer Sensibilitätsstörungen sowie Taubheitsgefühle.

Zum Thema Schiene kann ich nur sagen, dass ich eben einen Gips hatte, mit der Begründung, dass der ausgerissene Emenetia intercondylaris nur in der totalen Ruhestellung wieder anwachsen kann und deswegen der Gips als die richtige Wahl angesehen wurde, damit die Ruhestellung nicht unterbrochen werden kann.... Der Nachteil dabei war, dass das Kniegelenk danach so versteift war, dass ich es Monate lang nicht normal bewegen konnte.

Ganz liebe Grüße und einen guten Heilungsverlauf
Smiley

Schneeflockerl
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Schneeflockerl »

Danke Smiley!
Ich entnehme deinen Schilderungen, dass es Dir jetzt wieder gut geht und Du keine Einschränkungen mehr hast. Super, das freut mich!
Ja, wenn ich wenig Erguss habe, ist die Beweglichkeit eh so, wie es ärztlicherseits erlaubt ist. Aber leider führt Belastung relativ rasch zu einem Erguss, daher schalte ich dann wieder einen Gang zurück, und irgendwann beißt sich die Katze in den Schwanz.... Aber schön langsam stelle ich mich auch auf weitere 3-4 Monate ein, bis ich wieder frei gehen kann.
Es ist halt jeden Tag neu, mal besser, mal schlechter. Psychische Einbrüche sind bei mir mit Heulen verbunden, meistens sind dann aber die Wunden und die Schwellung am nächsten Tag besser. So, als ob der Stress im Gewebe durch die Tränen raus konnte. Tränen sind auch eine Form der Energie.
Liebe Grüße vom Schneeflockerl

Limone
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Limone »

Hallo Schneeflockerl,

Diese Blitze hatte ich auch in der ersten Zeit nach der Op und nach der Metallentnahme.
Im Halbschlaf bin ich dann davon aufgewacht. Das ganze Bein hat dabei einmal kurz unkontrolliert geguckt.
War auch nicht sehr oft.
Bei mir hat sich das aber nach ein paar Wochen gegeben.
Sensibilität: der ganze Bereich in der Länge der Platten ca. 10 cm unterhalb des Knies war schon vor der ersten Op durch den Bruch mit weniger Gefühl und bis jetzt auch. Ich fühle anders als an den Stellen darüber oder darunter, eher pelzig und kribbelig.
Irgendwie kann ich aber damit leben...

Schiene habe ich brav getragen: ggf. Kannst Du auf dem Sofa mit Dehnübungen was für deinen Rücken tun. Ich habe durch die Bewegungseinschränkungen wieder Rückenschmerzen bekommen.

Schmerzmittel habe ich auch lange gebraucht. Da IBU aber nicht sehr viel geholfen hat, habe ich das schneller abgesetzt, als das Opiat, damit ich schlafen konnte. Aber auch das habe ich bis zur Vollbelastung irgendwann absetzen können.
Da gibt es ja die
Theorie 1: Schmerzmittel sind ungesund
Theorie 2: Schmerzgedächtnis möglichst vermeiden, also doch durch Schmerzmittel möglichst schmerzfrei sein.

Viel Geduld und gute Besserung
LG Limone

Smiley
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Smiley »

Hallo Schneeflockerl!

Danke, im Großen und ganzen geht es mir mit dem Knie einigermaßen gut. Manchmal knickt das Knie noch ein, manchmal schmerzt es noch, manchmal habe ich das Gefühl ins leere zu treten. Ich sollte noch immer öfters die Übungen machen, die mir der Physiotherapeut aufgegeben hat, das mache ich sicher zu wenig. Im Winter konnte ich mit Kniestütze Skifahren (ca. 1Jahr nach dem Unfall) und war sehr froh, dass das funktioniert hat.
Es ist gut, dass Du Deine Gefühle manchmal raus lässt. Die Psyche ist sicher eines der wichtigsten Faktoren im Genesungsprozess. Ich wünsche Dir alles Gute und eine gute Besserung!

Liebe Grüße
Smiley

Schneeflockerl
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Schneeflockerl »

Danke Limone für Deine ausführlichen Antworten!
Die Schmerzblitze sind insgesamt jetzt schon deutlich weniger, lediglich ein kleiner Punkt wehrt sich noch... Laut Doc könnte es sein, dass dort die von der Gegenseite eingebrachte Schraube von innen an der Beinhaut "kratzt". Falls sich das nicht legt, könnte er diese eine Schraube entfernen.
Wegen Schmerzmitteln habe ich jetzt für mich einen Modus gefunden: 1. keine Panik, wenn ich eines brauche. Es ist kein Rückschlag. (das zu erkennen, dabei hat mir dieses Forum und Eure Antworten sehr geholfen) 2. dann ein Schmerzmittel nehmen, wenn mich die Mißempfindungen stressen. Damit bin ich so bei 3-4 x pro Woche und das traue ich meinen Nieren zu, damit fertig zu werden.
In 4 Wochen gehts zu Reha! Bis dahin üben, üben, üben....
@Smiley: Super, dass es Dir soweit gut geht. Ich hab mir Dich gleich zum Vorbild genommen und wir haben für die Karwoche 2022 schon einmal eine Schneewoche reserviert. 8)
In diesem Sinne, alles Liebe,
Schneeflockerl

Smiley
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Re: Neues, kaputtes "Kopferl"

Beitrag von Smiley »

Hi Schneeflockerl!
Das ist super, dass Du Dich beim Skifahren auch nicht runterkriegen lässt. Ich halte Dir die Daumen, dass Du schnell wieder fit bist und Du bei Deinem Skiurlaub nächstes Jahr viel Spaß hast. 😉

Liebe Grüße
Smiley

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